Eins, zwei, Wiegeschritt...
Ball der Gartenfreunde unter dem Funkturm
Im Veranstaltungskalender der Bundeshauptstadt hat der Ball der Gartenfreunde längst seinen festen Platz gefunden. Ein Wochenende nach dem Berliner Presseball schwangen die Naturliebhaber das Tanzbein unter dem Funkturm. Und das nun schon zum 45. Mal. Da die Festivität in das 100. Jubiläumsjahr des Berliner Landesverbandes der Gartenfreunde fiel, hatte sich der Cheforganisator GÜNTER WODRICH besonders ins Zeug gelegt.
Zur Freude der rund 2200 Ballbesucher konnte der LV-Schatzmeister den Schlagerstar IREEN SHEER engagieren - was gar nicht so einfach war. Nach einem voran gegangenen anstrengenden Auftrittsmarathon ("Deutsche Schlagerparade", TV-Produktion in Südafrika, Weihnachts- und Silvestershows bei ARD und ZDF) und der in den nächsten Monaten bevorstehenden Großen ZDF-Hitparadentournee durch 27 Städte (!) hätte sie eigentlich etwas Ruhe verdient.
 Ballgeflüster bis in den Morgen (1) | |
Solche Gedanken schob die Powerfrau aus England aber beiseite und "heizte" den Gästen mit kräftigem Timbre gehörig ein. Der Rhythmus von "Tennessee Waltz" und "Get Back" ging dem Publikum ins Blut. Das hatte Folgen: schwungvoll schoben sich die Tanzpaare noch weit bis in die Morgenstunden über das glatte Parkett. Einigen Tanzpaaren sah man hin und wieder an, dass sie der Schwung der Musik aus dem Takt brachte. Dann hieß es volle Konzentration auf vergangene Tanzschultage (da war doch mal was mit "Eins, Zwei, Wiegeschritt...").
Die Ballbesucher wurden schon beim Entree durch reichlichen Blumenschmuck in der Ehrenhalle auf das Festereignis eingestimmt. Das einzigartige Interieur des Palais am Funkturm - getaucht in gedämpftes indirektes Licht - tat das Übrige, dem 100. Geburtstag des Landesverbandes der Berliner Gartenfreunde einen würdigen Rahmen zu geben. Der Präsident des traditionsreichen und mitgliederstarken Interessenverbandes JÜRGEN HURT freute sich, in dieser Atmosphäre die zahlreichen Gäste begrüßen zu können, unter anderen: 18 Stadträte aus den neu gegliederten Berliner Verwaltungsbezirken.
| |  Ballgeflüster bis in den Morgen (2) |
Aus dem Landkreis Coburg reiste Landrat KURT ZEITLER an. Die ihn begleitenden Coburger Bürger waren so zahlreich, dass eigens ein Reisebus angemietet werden musste. Von Leipzig startete Bürgermeister Holger Tschense, um mit dem Ballbesuch seine Reverenz an die Kleingartenvereinigung der Bundeshauptstadt zu zollen. In der den Berlinern - wie man bekanntlich weiß - innewohnenden Bescheidenheit räumte Jürgen Hurt freimütig ein, dass die eigentliche Hauptstadt der Kleingärtnerbewegung wegen des frühzeitigen Gründungsjahres 1864 des dortigen Schrebervereins unzweifelhaft Leipzig sei. Den Kleingärtnern treu verbunden, machte der frühere Umweltsenator HORST VETTER auch diesmal seine Aufwartung - und das schon seit 25 Jahren. Nicht fehlen durfte auch Deutschlands "oberster Laubenpieper" aus Bonn, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde, INGO KLEIST.
 Präsident des BDG, Ingo Kleist mit Gattin | |
Zum Gelingen des Festes trugen natürlich auch die Ballbesucher selbst bei. In durchweg festlichen Ballgarderoben belebten sie die Tanzparketts im Saal und in der Ehrenhalle. Einzig die Ankündigung eines Walzers leerte ab und an die Tanzflächen, um geübten Tanzpaaren Platz zu bieten.
Die Choreografie der Auftritte der verschiedenen Interpreten war professionell inszeniert. Abwechslungsreich wurden die Musikrichtungen dargeboten. Nie tauchte ein Moment der Lethargie oder Eintönigkeit auf. Selbst Dekorateure aus der benachbarten Blumenhalle der "Grünen Woche" fühlten sich von dem mitreißenden Sound angezogen. Sie tanzten inmitten der Ballgesellschaft einfach mit - zünftig im echten "Gärtner-Look". Eine Mitarbeiterin der Messegesellschaft bekundete, dass der Berliner Ball der Gartenfreunde die stimmungsreichste Veranstaltung im Reigen der vielen Bälle sei.
| |  Prächtige Stimmung am Tisch der Steglitz-Zehlendorfer: Dr. Ulrich Sommer, stellv. BV-Vorsitzender, Norbert Kopp, Stadtrat für Bildung, Kultur und Sport, Elke Sommer sowie Ralf Körner, Stadtrat für Bauen mit Gattin (v.l.n.r.) |
Die Leistungen der Künstler belohnte das Ballpublikum mit engagierter Teilnahme und Applaus. Der Beifall für Ireen Sheer war geradezu frenetisch. Sie antwortete mit den gewünschten Zugaben und der Bemerkung: "Ihr seid ein starkes Publikum". Und wie auf dem Dreikönigs-Ball der FDP in Stuttgart, wo sie gleichfalls aufgetreten ist, gab sie den Song "We are the Champions" zum Besten. In Berlin kam sie mit diesem Titel der Realität allerdings irgendwie näher.
K(l)eine IndiskretionenWas wäre ein Ball ohne Ballgeflüster? Zumindest nur eine Hälfte der Festivitäten. Soviel sei jetzt schon verraten: die Vertreter und Vertreterinnen der Berliner Stadtpolitik, die sich nach außen hin oft untereinander unversöhnlich geben, wagten gemeinsame Schritte auf dem glatten Parkett der Kleingartenfreunde. Dieses ist aber nicht doppeldeutig zu verstehen. Wegen weiterer Einzelheiten wurde allerdings stillschweigend diplomatische Vertraulichkeit vereinbart. Nicht der Schweigebürde unterliegt dagegen die Tatsache, dass es bei dem Auftritt der nett anzuschauenden weiblichen "Showdancers" zu vielen männlichen "Oh" -Rufen kam, die in einem häufigen "Au"-Laut endeten - erzeugt von dem Rippenstoß der angetrauten Tischdame.
 Seit 25 Jahren Ballgast, der frühere Umweltsenator Horst Vetter und Gattin | |
Subtil war die Beeinflussung der Ballteilnehmer durch die Tanzmusik. Ganz am Anfang des Balls sah und hörte man den 1. Kassierer des Tempelhofer Bezirksverbandes, NORBERT GIESEKING, - ganz in seinem Element - noch über das Bundeskleingartengesetz referieren. Einige Zeit später zeigte er sich am Tisch neben seiner Ehefrau eher schweigsamer - die Tanzeinlagen forderten ihren Tribut. Der sonst ruhig und betulich wirkende Landesgartenfachberater GÜNTHER LANGNER offenbarte sich mit südlichem Temperament. Ob im Stehen oder Sitzen: rhythmisch begleiteten seine Körperbewegungen die Musik. Wo bei "Mambo number Five" viele Tanzwütige wegen des erhöhten Tempos das Parkett verließen, fühlte sich die Kolonievorsitzende vom "Hohenzollerndamm" EVELIN HAACK in ihrem Element.
| |  Viel umjubelter Star des Abends, die Sängerin Ireen Sheer. |
Wenn allerdings der neue Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, HERBERT WEBER, und sein Bildungsstadtrat, NORBERT KOPP, mit den Bezirksverbandsvorsitzenden RALF-JÜRGEN KRÜGER und BERND SEEFELD, trotz Showaufführungen im Festsaal an der Theke in gemeinsamer Unterredung verharrten, kann ein ernsthaftes Fachgespräch allen potentiellen Dementis zum Trotz nicht ausgeschlossen werden. Auf vielen Plätzen ist der emsige Wilmersdorfer Bezirksverbandsvorsitzende HARRI WUTTKE zu finden gewesen. Einerseits machte er mit seinem Fotoapparat den Reportern vom BERLINER GARTENFREUND ernsthafte Konkurrenz, auf der anderen Seite wurde er sehr häufig im Kreise der Tanzenden gesichtet. Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Stadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, MONIKA THIEMEN, bekannte sich in einem "Sechs-Augen-Gespräch" freimütig zum Kleingartenwesen. Eigentlich kaum verwunderlich - sie ist selbst passionierte Schrebergärtnerin. In der gleichen Konsultation erklärt Jugendstadtrat REINHARD NAUMANN gar nicht kryptisch, dass die Jugend am Beispiel der Kleingärten die Natur erfahren können. Die Bezirksverbände mögen sich daher nicht wundern, wenn er mit ihnen das Gespräch suche.
Ohne den Chronisten mit einem Schweigegelübde zu belegen (weil das sowieso nicht genützt hätte) verriet die fesch aussehende Ballbesucherin MARTINA DAMBECK aus Lichterfelde, dass die Haarfrisur in Heimarbeit entstand. Als Betriebsprüferin ist der Tag für sie sehr eng. Die Tanzfreude mit ihrem Ehemann Ingo sieht sie als wohltuende Entspannung an, um sich so gestärkt am folgenden Montag wieder den Buchhaltungsbelegen widmen zu können. Ob der Funke der Freude dann auch auf die geprüften Betriebe überspringt ?
 Fortuna ließ die Berliner Gartenfreunde links liegen. Den ersten Preis, eine Reise nach Paris, gewann Gartenfreundin Brigitte Sheldon aus Bremerhaven. Günter Wodrich, Schatzmeister des Landesverbandes, gratuliert herzlichst. | |
Bei aller Indiskretion soll es kein Geheimnis bleiben, dass auch nächstes Jahr der Ball der Gartenfreunde wieder stattfinden soll. Dem Vernehmen nach sichert dabei rechtzeitiges Reservieren die Plätze.
Martin Messinger
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