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Riesenerfolg des 8. Forums des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde e. V.
am 23. Januar 2011 anlässlich der IGW 2011

Im Rahmen der Festlichkeiten zum 110 jährigen Jubiläum des Landesverbandes Berlin fand das 8. Forum des Landesverbandes Berlin, ausgerichtet von der Landesgartenfachberatung, im Internationalen Congress Centrum statt.

Namhafte Referenten trugen zum Erfolg der Veranstaltung bei. Vor rund 300 Teilnehmern referierten

Herr Prof. Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zum Thema:

„Staatliche Schlossgärten und kommunale Kleingärten – Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus der Sicht einer Schlossgartenverwaltung“

und

Herr Prof. Peter Berthold, Max-Planck-Institut für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell zum
Thema:

„Die Entwicklung unserer Vogelwelt und die Ansiedlung von nützlichen Arten im Garten“.

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„Staatliche Schlossgärten und kommunale Kleingärten -
Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus der Sicht einer Schlossgartenverwaltung“
(110 Jahre Landesverband Berlin – IGW 2011)

Zusammenfassung des Vortrages von Prof. Dr. Michael Rohde (Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg) am Sonntag, den 23. Januar 2011 im ICC Berlin (Dachgarten)

1 Ziele und Aufgaben
1.1 Gemeinsamkeiten sind:
Historisch gewachsen (unter Denkmalschutz bzw. in der Struktur denkmalwürdig), Aufgabe von Schutz und Bewahrung im Rahmen gesetzlicher Vorgaben.
Öffentlich zugänglich bzw. halböffentlich.
Schlossgärten und Kleingärten stellen Zeugnisse des gärtnerischen Wirkens dar.
Beide Institutionen verfolgen einen Erholungs- und Bildungsauftrag, auch für die Jugend.
Beide Institutionen fördern im weitesten Sinne den Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz.

1.2 Satzungen (Zweck & Aufgaben)
a) Satzung Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) 1998 - Auszug (gekürzt)
§ 1 Aufgaben der Stiftung
(1) Die Stiftung hat die Aufgabe, die ihr übergebenen Kulturgüter zu bewahren, unter Berücksichti-gung historischer, kunst- und gartenhistorischer und denkmalpflegerischer Belange zu pflegen, ihr Inventar zu ergänzen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Auswertung dieses Kulturbesitzes für die Interessen der Allgemeinheit, insbesondere in Wissenschaft und Bildung, zu ermöglichen.
(2) insbesondere
1. die bauliche und gärtnerische Unterhaltung und Sanierung;
2. eine denkmalverträgliche Nutzung der Kulturdenkmale, insbesondere als Museum, durch die Öffentlichkeit zu ermöglichen;
3. die wissenschaftliche und publizistische Aufarbeitung und Dokumentation des Kulturdenkmalbe-standes sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

b) Satzung Landesverband 2003 – Auszug (gekürzt)
§ 2 Zwecke, Ziele und Aufgaben
2. Er dient ausschließlich und unmittelbar kleingärtnerisch gemeinnützigen Zwecken und ist parteipolitisch und konfessionell ungebunden.
3. Der Landesverband unterstützt seine Mitglieder bei der Erfüllung folgender Aufgaben:
a Einwirkung auf die Gesetzgebung und Verwaltung;
- durch Förderung von Maßnahmen, (…), neues Kleingartenland bereitzustellen sowie die bestehenden Kleingartenanlagen zu schützen und als Dauerkleingartenanlagen zu sichern,
- durch Vertretung der Interessen des Siedlungswesens und der Eigenheimbesitzer.
b Organisation der fachlichen Schulung der Mitglieder bzw. ihrer Gliederungen;
c Öffentlichkeitsarbeit und Herausgabe einer Verbandszeitschrift sowie (…), insb. zur Förderung des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes.

1.3 Zahlen & Fakten
a) SPSG
• ca. 750 Hektar denkmalgeschützte Garten & Parkanlagen
• 150 Baudenkmale
• 32 Museumsschlösser
weit über 100.000 Einzelkunstwerke, darunter 4.200 Gemälde und über 5.000 Skulpturen, ca 6.300 Textilien und 10.000 Porzellane, 64.000 Blätter (Plankammer), 5.200 hist. Bücher, 4.700 Möbel und 1.500 Beleuchtungskörper, über 500 Mitarbeiter (& 500 MA Fridericus-Service)
Über 2 Mio. Besucher in den Schlössern, etwa 5 Mio. in den Gärten

b) Landesverband
Der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. ist die Dachorganisation des Berliner Kleingartenwesens, die als sogenannter gemischter Verband in Berlin auch die Interessen von Siedlern und Eigenheimbesitzern vertritt.
Dem Landesverband gehören als Mitglieder 18 Bezirksverbände der Kleingärtner und 2 Bezirksgruppen der Siedler und Eigenheimbesitzer an. Die Organisation vertritt ca. 70.000 Kleingartenpächter, zusammengeschlossen in 808 Kolonien und 252 Siedler.
Daneben gibt es noch 6.025 Kleingärten, die von den Grundstückseigentümern verwaltet werden.
Die kleingärtnerisch genutzte Fläche in Berlin beträgt ca. 3.160 Hektar.


2 Zur Geschichte Gartenkultur; Entwicklung von Schloss- & Kleingärten
2.1 Kaiser- und Hausgärten der Antike
Villa als Landgut (villa rustica) und Herrensitz (villa urbana), z.B. Beschreibungen Cato d. Ä. (234-149 v. Chr., De re rustica). Stadtgärten, z.B. in Pompeji und Herculaneum.
Stadthäuser (Atrium) mit Gartenhöfen (Peristylgärten), von überdachten Wandelgängen umschlos-sen, Fresken mit Gartenmotiven, Pergolen, Grotten und Nymphäen.
Landvillen mit Terrassen, Freisitzen und Gartenanlagen, z.B. Cicero (106-43 v. Chr.) und Plinius d.J. (Gaius Plinius Caecilius Secundus) (61/62 - um 113 n.Chr.), Epistularum libri decem (entdeckt 1419, Erstdruck Venedig 1469).
Kaiservillen, z.B. Villa Hadrian (Tivoli bei Rom) 125-136 n. Chr. entstanden. 300 Hektar mit Wohnbe-zirken, Bädern, Theatern, Bibliotheken, Kasernen und Gartenräumen.
Prinzipien: A Garten und Haus zusammengehörig. B Architektonische und landschaftliche Gestaltungen nebeneinander (villa rusica, villa urbana). C Pflanzenverwendung, Zierpflanzen. D Landvillen in Hanglagen.

2.2 Mittelalter: Klostergärten und ritterliche Gärten
St. Galler Klosterplan: 9. Jahrhundert: Im Plan der kleine Kräutergarten mit 8 Beeten in 2 Reihen, das zweiteilige Sanatoriumsgebäude über der Klosterkirche, dann der Baumgarten (gleichzeitig Friedhof); weiter der eigentliche Klostergarten mit 18 Beeten in 2 Zeilen.
Ausgang des späten Mittelalters, seit dem 12. Jahrhundert entwickelten sich die Städte, in denen die ritterlichen Lebens- und Gartenideale ihren Glanz behielten. Schon in dieser Zeit gründeten sich Vereine und der Berufsstand schloss sich in Zünften zusammen. Der mittelalterliche Garten bestand meist nur einem einfachen Viereck, das durch Wege in weitere Vierecke aufgeteilt war. Umfriedungen aus Mauern, Holz mit Gartentoren sind häufig.

2.3 Renaissance: Seit 16. Jh. Fürsten- & Bürgergärten
In der Renaissance wandelte sich der Nutzgarten zum Lustgarten. Die einzelnen Gartenelemente, die auch verschiedene Terrassen einschließlich der Gebäudekomplexe umfassen konnten, wirken in sich abgeschlossen, isoliert und aneinandergereiht.
Gesellschaftliche Umstrukturierung, in deren Folge eine von Adel und Bürgertum getragene weltli-che Kultur entstand. Das große fürstliche Beispiel: Der Hortus Palatinus in Heidelberg (1614-1620) ab 1616 durch Kurfürst Friedrich V. und Elisabeth.
Beispiel eines gehobenen Bürgergartens: 1641 legte Matthäus Merian d.Ä. (1593-1650) dem Bür-germeister von Frankfurt/M., Johann Schwindt, die Darstellung seines Gartens vor (Blumenbuch „Florilegium renovatum et auctum“). Die begrünte Treillagenarchitektur trennt als eine Art Schauwand den Hof von dem eigentlichen Ziergarten. Die vorderen Parterres sind von schmückenden Blumenkübeln gerahmt und werden von den mächtigen Statuen Herkules und Merkur dominiert. Der langgestreckte symmetrische Garten wird von Laubengängen mit Fenstern gefasst, an die sich seitlich Obstquartiere anschließen.

Seit dem Mittelalter entstanden Stadtsiedlungen, die innerhalb der umschlossenen Mauern nur wenig Grün aufwiesen, denn die „Ackerbürger“ spielten immer weniger eine Rolle (innerhalb der Mauern: Privatgärten, Kirchhöfe, in Neugründungen manche Obstwiesen als Baulandreserve).
Beispiel Soest 1572: Soest von Georg Braun und Franz Hogenberg : Häufig entstanden deshalb vor den Mauern ein Kranz von Gartenanlagen, auch Volkswiesen und Festplätze (Vorläufer Kleingärten).


Die Churfürstle Brandenburgle Residentz Stätt Berlin, Cöln, und Friedrichs Werder. Vogelschaubild , 1699, Zeiller-Merian, Topographia Brandenburgici, 2. Auflage von 1720 Jean Baptiste Broebes. Gar-tenanlagen vor den Toren der Stadt (siehe Ausschnitt).


Freiburg (de Fer um 1693 und heute) mit typischen Kleingärten in Nachahmung des Renaissancestils vor der Vauban Befestigung. Rechts: Gerichtslinde als Versammlungsort des öffentlichen Lebens (Schweizer Bilderchronik 1593).

Joseph Furttenbach d.Ä. (1591-1667) veröffentlicht 1628 u.a. Stich eines fürstlichen Lustgartens und 1640 eines Ideal- bzw. Phantasiegartens. Vom 15. bis zum 17. Jhd. waren z.B. Blumenbeete von einem Holzzaun oder einem Geländer, auch Laubengängen oder Treillagenwerk - innen von einer Rabatte aus Sträuchern, Stauden oder Kletterpflanzen begleitet - umgeben.
Seit dem 16. Jhd. führte die Kunde von Universitätsgründungen mit Botanischen Gärten in Italien, aufblühenden Humanistenhöfe, von Villen und Gärten zu Bildungsreisen; allmähliche Nachahmung in Europa.
a) Alter Mediciner Garten in Göttingen 1748.
b) Fuggerei in Augsburg als Siedlung mit Gärten
c) Privatgarten Joseph Furttenbachs d.Ä. in Ulm (aus: Architectura Privata: Das is Gründtliche Be-schreibung . . . in was form . . . ein Burgerliches Wohn-Haus, 1641).

2.4 Barock & Rokoko – Absolutismus (1650 – 1760)
In der Barockzeit orientiert sich die Hauptachse auf das Schloß hin und bildet meist symmetrische beidseitige Gartenpartien. Einsatz der Perspektivlehre, Streben nach Ordnung und Subordination, Ausstrahlung weit in das umgebende Land (Alleen). Repräsentanz und höfisches Spiel (Variete).
Wasseranlagen werden aufwendig gestaltet (große Fontänen, Kaskaden usw.). In Schlossnähe breiten sich Parterres aus, es schließen sich Boskettbereiche an.
Nach dem Vorbild Frankreichs (und Hollands) entstanden in Deutschland erst eine Generation nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges die ersten Barockgärten.
1680-1714 Großer Garten Hannover-Herrenhausen (Charbonnier)
1689-1700 Salzdahlum Braunschweig
1684-87 (1719 Schloss) Gärten Schleißheim/ München (Carbonet, Girard)
1694-1705 Schlossgarten Charlottenburg Berlin (Godeau, Dahuron)
1695 Schönbrunn Wien (Fischer v. Erlach, Gärten seit 1706 Trehet)
1698 Stadtschloss Berlin (Schlüter)
1701 Park Wilhelmshöhe Kassel (Guernico)
1710 Schloss Zwinger Dresden (Pöppelmann)
1714 Schloss Belvedere Wien (Hildebrandt)
1714-26 Park Nymphenburg München (Effner, Cuvilliés, Girard)
1719-20 Garten Großsedlitz/Dresden (Pöppelmann, Longuelune)
1720 Schloss Würzburg Residenz (Hildebrandt, Welsch, Neumann) Gärten seit 1770 (Mayer)
1720-30 Garten Pillnitz / Dresden (Pöppelmann, Longuelune)
1728-40 Brühlpark / Köln (1725 Schloß Augustusburg, Schlaun, Cuvilliés, Neumann; Girard)
seit 1745 Sanssouci-Potsdam

2.5 Klassizismus, Romantik (ca. 1760 – ca. 1900)
Die romantische Geistesbewegung im 18. Jahrhundert wurzelt in England. Strömungen der Aufklä-rung und der Vernunft, die auch im Sittlichen und Ästhetischen zur Geltung kommen, förderte ein neues Naturgefühl (Freiheitssymbol anstatt „Naturunterdrückung“). Frühe Landschaftsgärten entstehen: 1771 in Wörlitz, 1778 Weimer Ilmpark, 1775 Schönbusch/ Aschaffenburg. Weiterentwicklung durch Friedrich Ludwig von Sckell.
Reformen in der Landwirtschaft und naturwissenschaftlich-botanisches Interesse vereinten das „Schöne mit dem Nützlichen“. An Parks angrenzende Feldfluren wurden i. S. der „ornamented farm“ durch Pflanzungen und mit ihnen verbundene Spazierwege „aufgeschmückt“.
Um 1800 traten allmählich Bestrebungen einer umfassenderen „Landesverschönerung“ hinzu – Beispiel Gartenreich von Anhalt-Dessau umfasst alle Bereiche des geistigen und staatlichen Lebens - Kultur und Gartenkunst, Gesellschaft und Wirtschaft, Wissenschaft und Technik.
Die Malerei wird Vorbild zur Gestaltung von Landschaftsgärten. Nach dem Vorbild des Dessauer Gartenreiches (Wörlitz) legte Lenné im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. den „Verschoenerungs-Plan der Umgebung von Potsdam“ vor (1833).
Ausgang des 18. Jhds. Aufstieg des Bürgertums und Forderungen nach Stadtgrün (Willebrand, Hirschfeld). Fürstliche Gärten wie der Wiener Prater oder der Tiergarten Berlin wurden öffentlich. 1789 legt Sckell den Englischen Garten in München an, ein öffentlicher Volksgarten im Auftrag des Fürsten Carl Theodor, auch nach der Forderung Hirschfelds. 1824 legte Lenné im Auftrag des Ober-bürgermeisters Francke in Magdeburg den ersten kommunalen Volksgarten an.
Im Zuge von Entfestigungswellen entstanden noch im 18. Jhd. Wallpromenaden und Wallgrünanla-gen. Durch das Anwachsen der Städte (Industrialisierung) entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jhds. Erste Planungen für Stadtparks und Alleen (Promenaden).
Der Biedermeier bezieht sich auf die eigene Kultur und Kunst des Bürgertums in der Zeit von 1815 bis 1848. Typisch ist die „Flucht“ ins Idyll und ins Private, zum Beispiel in die Gärten.
Die Renaissance und der Klassizismus kopierte Gartenformen der Antike, der Historismus imitierte ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkt auch Gartenformen anderer Epochen.

In Großstädten wie Berlin nahmen soziale, hygienische und städtebauliche Probleme zu: 1870 erste städtische Gartendirektion (Gustav Meyer als städt. Gartendirektor schuf nun Stadtparks, begrünte Stadtplätze). Impulse zur Förderung des Stadtgrüns durch Weltausstellungen (1851 London, 1867 Paris, 1873 Wien, 1876 Philadelphia oder 1893 Chicago).
Verschönerungsvereine und Bau- und Gartenausstellungen (Dresden, Berlin, Hamburg) förderten die Gartenkultur. Im späten 19. Jahrhundert sind außerdem Parktypen wie „Restaurations- und Gesellschaftsgärten“ oder „Floragärten“ entstanden.
Aufgelassene Friedhöfe wurden zu Stadtparks umgestaltet. An der Peripherie der Städte entstan-den die großen Zentralfriedhöfe (Ohlsdorf-Hamburg, Stöcken-Hannover mit größeren landschaftli-chen Partien ausgestattet).
Villenkolonie Alsen am Wannsee (siehe Abb.), Friedrichshain und Humboldthain von Gustav Meyer in Berlin.


Das Wachstum der Industrie und der Bevölkerung führte zu einer Verdichtung der Städte mit sozialen und hygienischen Problemen. Als Reaktion organisierten sich Heimat- und Verschönerungsver-eine, so auch das organisierte Kleingartenwesen in Deutschland, besonders in Berlin und Sachsen. 1822 gelang es Lenné, den „Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den königlichen preußischen Staaten“ zu gründen. 1865 wurde der noch heute tätige Bremer Bürgerparkverein eingerichtet.
1864 wurde der „Schreberverein” gegründet, europaweit ein Synonym für den Begriff „Kleingärtnerverein“. Der Leipziger Arzt und Pädagoge Dr. Moritz Schreber (1808–1861) beförderte die Einrichtung von Spielplätzen, zur körperlichen Ertüchtigung von Kindern und Jugendlichen unter pädagogischer Anleitung. Diesen Gedanken griff der Leipziger Schuldirektor Dr. Ernst Hauschild (1808–1866) auf. Auf seine Initiative hin wurde 1864 ein Erziehungsverein, der den Namen „Schreberverein” erhielt, gegründet.


2.6 Reformzeit (ca. 1900 – ca. 1920)
Von England ausgehend kündigten sich Reformbewegungen an (in Deutschland seit den 1890er Jahren als „Jugendstil“ bezeichnet). Neue Tendenz stellt die Übernahme der Gartenstadtidee dar.
Auf Kunst- und Gartenbau-Ausstellungen (1904 Düsseldorf, 1905 Darmstadt oder 1907 Mannheim) und auf den Städtebauausstellungen stellten Architekten wie Olbrich, Behrens, Schultze-Naumburg oder Max Läuger den landschaftlichen Anlagen nun ihre formstrengen modernen Hausgärten entgegen.
Die (erneute) „Stilwende“ wird schließlich durch progressive Gartenarchitekten wie Fritz Encke, Ludwig Lesser oder Leberecht Migge vollzogen.
Der Begriff Volkspark wurde zum neuen Leitbild erhoben und löste damit den typischen, inzwi-schen als „schablonenhaft“ und in der beschränkten Nutzung kritisierten Stadtpark des 19. Jahr-hunderts durch neue Funktions- und Formvorstellungen ab.

Muster-Garten für die Gartenstadt aus: Leberecht Migge, "Der soziale Garten", 1926

Die Idee der Gartenstadt führte in Deutsch¬land zur Gründung der „Deutschen Gartenstadtgesell-schaft“. Ihr damaliger Generalsekretär Dr. Hans Kampffmeyer gründete 1907 die Gartenstadt Karls-ruhe. Gleichzeitig entstand in Hellerau bei Dresden eine weitere beispielhafte Gartenstadt. Die als Gartenstadt konzipierte Werkssiedlung Kolonie MARG ab 1907. 1914 war die kreisrunde Wohnsied-lung baulich vollendet.
Zwischen 1919 und 1933 zu einem regelrechten Volksparkboom (Hamburger Stadtpark und Rhein-park in Köln in Europa vorbildlich). Das Programm für die Volksparkidee wurde durch Stadtbauräte wie Fritz Schumacher gefördert.
Die Bevölkerung sollte den Park nicht auf dem Wege des „landschaftlichen Genießens“ in Besitz nehmen, sondern über die „Betätigung im Freien: Spiel, Sport, Lagern, Planschen, Reiten, Tanzen - dann ferner Musik-, Kunst-, Blumengenuss, leibliche Genüsse“, so Schumacher 1928.

Um 1910-1920 entstanden Stadtparks und Wohnsiedlungen mit integrierten Kleingärten. Impuls für die von Migge geplante Anlage des Rüstringer Stadtparks in Wilhelmshaven waren 1912 bis 1924 die vom OB Emil Lueken und Martin Wagner beabsichtigte moderne Freiflächenpolitik mit ihren sozialreformerischen und hygienischen Vorgaben.
Die Berliner Großsiedlung Britz „Hufeisensiedlung“ für 5.000 Menschen steht auf der UNESCO-Welterbeliste. Ab 1925 nach Planungen von Wagner (Berliner Stadtbaurat, 1915 Dissertation „Das sanitäre Grün der Städte, ein Beitrag zur Freiflächentheorie“), Bruno Taut und Migge. Camillo Sitte unterschied in „sanitäres“ Grün und „dekoratives“ Grün.
Intensivierung dieser Tendenzen in der Weimarer Zeit: mit der wachsenden Bedeutung öffentlicher Grünflächen eröffneten sich auch für die privaten Grünräume neue Möglichkeiten, in Korrespondenz mit neuen Bau- und Siedlungsformen.

3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die Gründung der Republik in Deutschland nach 1918 führte
a) zur Verstaatlichen der höfischen Schlösser und Gärten (Beginn der Gartendenkmalpflege)
b) zur Gründung von sog. „Kleingartenämtern“ zur Verteilung von Gartenland und Beratung der Kleingärtner. Die Zentralverbände schlossen sich zum „Reichsverband der Kleingartenvereine“ zu-sammen.

Heute ist die „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ (SPSG) neben der „Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen“ die bedeutendste und in der „AG Deutsche Schlösserverwaltungen“ organisiert.
Die Kleingärtner sind übergreifend im „Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.“ mit 20 Lan-des-verbänden und ca. 15.000 Kleingärtner-vereinen organisiert. Insgesamt gibt es in Deutschland eine Million Kleingärten. Sie bedecken eine Fläche von mehr als 46.000 Hektar und werden von fünf Millionen Menschen zur Freizeitgestaltung genutzt

3.1 Bewahrung
Bewahrung des Kleingartenwesens als Bestandteil der sozialen Stadt, die Bewahrung vorhandener Kleingartenanlagen. Bewahrung genetischer Pflanzenressourcen.

3.2 Bildung, Forschung & Kooperation
Die Gartenfreunde haben ähnliche Ziele wie die SPSG:
Aus- und Fortbildung der Mitglieder, Angebote für die breite Öffentlichkeit.
Führungen, Exkursionen, Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“, Beteiligung an Gartenbauausstellungen, Förderung des Deutschen Kleingartenmuseums in Leipzig.
Förderung von Kindern und Jugendlichen.
Zusammenarbeit mit Verbänden und Institutionen wie dem Deutschen Städtetag, den Städte- und Gemeindebund, der Gartenamtsleiterkonferenz, der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 e.V., sowie mit Hochschulen, Instituten und den Umwelt und Naturschutzverbänden (NABU, BUND, Deutscher Vorgelschutzbund etc.).
Die Kleingärtnergemeinschaft wird getragen durch mehr als 100.000 ehrenamtliche Tätige.
Um weitere Projekte und Aktivitäten realisieren zu können, bedienen sich die Gartenfreunde ver-schiedener Formen der Mittelbeschaffung wie z.B. Sponsoring, Umlage und Spende.
Ein Wissenschaftlicher Beirat berät den Bundesverband.
Erforschung der eigenen Geschichte, der Pflanzenverwendung, der Pflanzenschutzmittel etc.

Die SPSG bildet eigene Gärtner aus (Zierpflanzenbau und Garten- & Landschaftsbau), unterhält ein HofgärtnerMuseum und das GartenForum Glienicke, zeigt regelmäßig Ausstellungen, z.B. Histori-sche Pelargonien in Charlottenburg. Die Fachabteilungen der SPSG forschen in Kooperation mit Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen (DBU). Die SPSG kooperiert mit SpenderInstitutionen, Beispiel Förderprojekt „Wiederherstellung Friderizianisches Heckentheater Sanssouci“ einschließlich fünfjähriger Pflegeaufwendungen durch die „Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V.“.

3.3 Öffentlichkeit
Öffnung der Kleingartenanlagen mit zeitgemäßen Angeboten für Freizeitgestaltung und Bildung für jedermann.
Angebot für eine sinnvolle Freizeitgestaltung neben Urlaubsreisen, Sport und anderen Beschäftigungen durch körperliche Betätigung an frischer Luft, Erzeugung von gesunden Gartenbauprodukten und der Möglichkeit zur Erholung.
Leistung für die Gesellschaft: Sicherung und Ausbau der sozialen, ökologischen und städtebauli-chen Aspekte. Kleingärten als Erlebnisraum für Kinder und als Angebot zur Naturpädagogik.
Die Gartenfreunde geben die Verbandszeitschrift „Der Fachberater“ heraus und berichtet in den Zeitschriften der Verbände.

Die SPSG hat ihre Gartenanalgen unter denkmalrechtlichen Auflagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bestreitet regelmäßig ein Programm zur Erläuterung der Geschichte, der Kunstwerte, der Pflanzensammlungen, der Erlebnisse u.v.a.m. (vgl. Programmankündigungen im Magazin „sans, souci“)

3.4 Visionen
Die Gartenfreunde spüren neue Trends in den Themenbereichen Garten, Freizeit, Soziales und thematisieren diese verbandsintern und in der Öffentlichkeit. Erst in den beiden Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Kleingärten luxuriöser – ohne dass das Nutzgartenprinzip aufgegeben wurde.
Die Gartenfreunde verstehen sich als modernes Dienstleistungsunternehmen.
Neue Ideen für junge Leute braucht das Kleingartenwesen angesichts gesellschaftlicher und demo-grafischer Entwicklungsprozesse.
Grundgedanke der BUGA-Kleingartenanlage München 2005 war es, wichtige Gestaltungskategorien für (Klein-)Gärten real baulich umzusetzen und den Besuchern zu präsentieren.

Die SPSG passt sich neuen Tendenzen an, ohne die Inhalte ihres Auftrags einzuschränken. Eine große Herausforderung stellen die Auswirkungen des Klimawandels dar, insbesondere die dadurch zunehmenden Wetterextreme (z.B. stärkere Gewitterregen, längere Hitzeperioden).

3.5 „Das Gärtnern“ (Pflege)
Die Kleingärten zeigen ein großes Spektrum nachhaltiger Gärtnertätigkeiten auf, von Aspekten der Nutzgärtnerei bis zur Zierpflanzengärtnerei.

Um die großen Aufgaben der Wiederherstellungen und permanenter Pflege der Gartenanlagen zu gewährleisten steht die SPSG vor neuen Herausforderungen. Stichwortartig lassen sich folgende Aspekte darstellen:
a) Restaurierungen/Jahr (130 Projekte mit Geschichte, Zustand, Maßnahmen) und detaillierte Be-rechnung der Pflege/Jahr (Folgekosten/ha)
► aktueller Pflegerückstau 31 Gärtner
► Bedarf bis 2028 nach Invest. 43 Gärtner

b) Pflegeaufwand pro Jahr (Kategorien) (international bestätigt):
► Extensiv = 1 MA/ 7 ha (ha x 0,14)
► Intensiv = 1 MA/ 4-5 ha (ha x 0,2)
► Herausragend = 1 MA/ 1 ha (ha 1,0)

c) Flächenbilanzpläne zeigen Aufwand für
► Restaurierungen (Investition/Maßnahme)
► aktuelle Pflege (2009)
► voraussichtliche Pflege (bis 2028)

Zum Abschluss wird der Vorschlag, einen gemeinsamen Kooperationstag im Park Sanssouci zur Darstellung gemeinsamer Ziele und Probleme zu erläutern positiv aufgenommen.

Kleingartenanlage am Park Babelsberg im Mai 1987 mit Nutz-, Zier- und Erholungsfunktion (Foto: M. Rohde).





Herr Prof. Dr. Peter Berthold stellte uns das Resümee seines Vortrages zur Verfügung:



Einleitung

Vögel beleben jeden Garten, mehr noch als Blumen – sie sind nicht nur bunt, sie singen zudem und zeigen oft interessantes Verhalten. Zudem sind sie seit eh und je als Helfer bei der Bekämpfung von Gartenschädlingen beliebt. Wie willkommen war der früher häufige Wiedehopf, v. a. in den sogenannten Krautländereien der Allmende, wo er nahezu als Einziger in der Lage war, mit seinem gebogenen Pinzetten-Schnabel die verhassten Maulwurfsgrillen aus ihren Gängen zu ziehen. Oder auch der Star, wenn er erfolgreich Engerlinge aus dem Boden zirkelte. Da wurde dann auch meist toleriert, wenn er später Kirschen oder Weinbeeren stibitzte: In dieser Zeit wurde er häufig zwar maßvoll vertrieben, aber nur selten getötet. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich heute viele Gartenfreunde Sorge machen, wenn sie feststellen, wie mehr und mehr Vögel aus ihren Gärten verschwinden. Der Naturschutzbund Deutschland ruft inzwischen sogar zu jährlichen Zählungen in einer „Stunde der Gartenvögel“ auf, um feststellen zu lassen, was bei uns an Gefiederten in Gärten noch kreucht und fleucht. Will man verstehen, warum Vögel aus unseren Gärten verschwinden, muss man sich kurz die Entwicklung der Vogelwelt Mitteleuropas vor Augen führen.


Unsere Vogelwelt – von der Eiszeit bis heute

Unsere Vogelwelt ist ständig starken Veränderungen unterworfen, auf die sowohl wechselnde Umweltbedingungen als auch menschliche Aktivitäten starken Einfluss haben. Nach der Eiszeit war das weitgehend vegetationslose Mitteleuropa zunächst arm an Vögeln, aber das hat sich in den letzten rund 10000 Jahren rasch geändert. In der mittelalterlichen Buchenzeit lebten in den großen Waldgebieten schon rund 50 Arten, die aus mediterranen und asiatischen Refugien wieder eingewandert waren. Diese Zahl hat sich mehr als verfünffacht, nachdem der Mensch im Mittelalter Schritt für Schritt eine an Lebensräumen reichhaltige Mosaik-Kulturlandschaft geschaffen hatte, die sich aus restlichen Waldgebieten, aber nun auch Feldern, Wiesen, Weinbergen usw. zusammensetzte. In diese neuen Lebensräume konnten aus dem Süden und Osten viele neue Arten einwandern, so v. a. Lerchen, Ammern, Sperlinge, Stare, Rebhühner, Rotschwänze u. v. a., die z. T. bis in unsere Hausgärten und sogar bis in die Häuser vorrückten wie die Rauchschwalben. Diese Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt um 1800 – danach ging es zunächst langsam, dann aber immer schneller bergab. Insbesondere die immer intensiver betriebene Landwirtschaft führte zu einem Artenrückgang, der ab den 1960er Jahren regelrecht dramatisch wurde. Er hat inzwischen dazu geführt, dass mehr als 50 % der ehedem bei uns beheimateten Vögel nun im Fortbestand bedroht sind, und dasselbe gilt für alle anderen Gruppen von Tieren und Pflanzen, ganz augenfällig für jedermann bei Schmetterlingen, Heuschrecken oder Wildblumen. Von diesem Artensterben sind nicht nur seltene Formen betroffen, sondern inzwischen auch ehedem sehr häufige „Allerweltsarten“ wie Feld- und Haussperling, Star, Feldlerche u. a., bei denen die Bestände allein in Deutschland von ursprünglich über 10 Millionen Individuen auf weniger als die Hälfte zusammengeschrumpft sind.


Hauptursachen des Artenrückgangs

Die Ursachen für den Artenrückgang bei Vögeln und anderen Gruppen von Tieren und Pflanzen sind für Biologen wie interessierte Amateure leicht ersichtlich. Hauptursache ist die vielerorts bis an das maximal mögliche intensivierte Landwirtschaft. Monokulturen von z. B. Mais, Getreide, Zuckerrüben, aber auch niedrigstämmigen Obstkulturen und dicht bestockten Weinanbaugebieten bedecken zu nahe 100 % die vorgesehenen Flächen, ohne das zwischen den Nutzpflanzen Platz bliebe für Wildkräuter und die meisten Wildtiere. Die früher in Hülle und Fülle vorhandenen Wildkräuter wie Korn- und Mohnblumen, Kornraden, Feldstiefmütterchen u. v. a. waren Lebensraum von Hunderten von Insektenarten, die wiederum Vögeln als Nahrung dienten und für die Aufzucht von Nestlingen unerlässlich waren. Wenn heute in den dichten Nutzpflanzen-Monokulturen Reste dieser Wildkräuter aufkommen, werden sie nahezu vollständig durch Herbizide abgetötet, ebenso die als „Ungräser“ bezeichneten Wildgräser. Die Pflanzungen selbst sind so dicht angelegt, dass sich zwar Rehe und Wildschweine noch Wege hindurch bahnen können, aber Arten wie Star, Feldlerche oder auch Rebhuhn bringen in den dichten Monokulturen im wahrsten Sinne des Wortes keinen Fuß mehr auf den Boden. Neben den intensiven Landwirtschaft hat das meist mit ihr zusammenhängende Trockenlegen von Feuchtgebieten unserer Artenvielfalt enorm geschadet, ebenso der Flächenverbrauch durch Siedlungen und die Anlage von Verkehrswegen, und ein Übriges tut die zunehmende Verunruhigung unserer Landschaft, in jüngster Zeit v. a. durch Aktivitäten wie Joggen, Mountainbike-Fahren, Schneeschuh-Laufen oder auch das Ausführen von Hunden bis in die entlegendsten Winkel unserer eng gewordenen Naturlandschaft. Generell betrachtet ist den bis gegen 1800 blühenden Wildtier-Beständen einschließlich der Vögel zweierlei verloren gegangen: Zum einen Lebensraum mit geeigneten Strukturen zum Aufenthalt und zur Fortpflanzung, etwa zum Nestbau, und zum anderen die Nahrungsgrundlage. Allein die Wildkräuter in den Feldfluren haben in Deutschland bis gegen Ende der 1950er Jahre Samen in der Größenordnung von einer Million Tonnen produziert, von denen fast nichts mehr übrig geblieben ist. Auch die Gräser unserer Wiesen produzieren kaum noch Samen, weil sie nicht mehr wie früher nur 2-mal, sondern inzwischen bis zu 5-mal im Jahr gemäht werden. Der Schwund an Wildpflanzen hat dazu geführt, dass unsere Insekten insgesamt, durch alle systematischen Gruppen hindurch, um mehr als 50 % abgenommen haben, womit den meisten Vogelarten auch wesentliche Teile ihrer Nahrung und v. a. ihres Futters für die Jungenaufzucht fehlen. Die dramatischen Bestandsrückgänge bei Vögeln haben sich natürlich bis in unsere Hausgärten ausgewirkt, sodass heute vielerorts Arten wie Gimpel, Stieglitz, Hänfling, aber auch Star, Feld- und selbst Haussperling nur noch in geringer Anzahl vorkommen oder gänzlich fehlen.


Gartenvögel – lassen sie sich gezielt fördern?

Die Antwort auf die gestellte Frage ist ein klares Ja! Noch ist unser Land nicht so „ausgeräumt“, wie z. B. weite Teile Chinas, wo selbst die Anlage eines wunderschönen Gartens meist kaum etwas bewirken würde, weil im Umfeld von Hunderten von Kilometern Vögel praktisch vollständig fehlen. Wenn auch bei uns die Bestandsrückgänge inzwischen alarmierend und dramatisch sind, sind viele Arten trotzdem immer noch erfreulich regenerierfähig. Und grüne, gartenreiche Städte wie z. B. Berlin oder Stuttgart zeigen, dass sie reichhaltige Vogelwelt beherbergen können, oft arten- und individuenreicher als die sie umgebende „Naturlandschaft“, eben wegen des bereits genannten Struktur- und Nahrungsangebots. Für einen vogelfreundlichen Garten, der möglichst viele Arten und Individuen anlocken und auch dauerhaft beherbergen kann, ist dreierlei notwendig: 1) eine reichhaltige, möglichst naturnahe Struktur, d. h. Vegetation mit reichlich Kräutern, Stauden, aber auch Büschen und wenn irgend möglich, auch Bäumen, einschließlich Kletterpflanzen an Hauswänden, Nebengebäuden wie Garagen usw. Welche Pflanzen sich dafür ganz besonders eignen, haben wir in dem Buch Berthold & Mohr „Vögel füttern – aber richtig“ dargestellt (Kosmos 2008, Quelle s. u.). Der vogelfreundliche Garten muss 2) ausreichend Nistmöglichkeiten bieten – dazu gehören neben dicht wachsenden Büschen, Kletterpflanzen usw. v. a. auch künstliche Nistgelegenheiten, also Nistkästen. Dabei ist Sparen fehl am Platz: Ein Garten von etwa 500 m2 sollte mindestens 15 Nistkästen bereitstellen, und zwar Standardkästen für Meisen und Feldsperlinge, aber auch Spezialkästen für Stare, Halbhöhlenbrüter wie Rotschwänze, Niststeine für Haussperlinge und Mauersegler, Halbschalen für Mehlschwalben, Nistkugeln für Rotkehlchen und Zaunkönig usw., wie sie in Spezialkatalogen angeboten werden. Nur wenn man reichlich Nistmöglichkeiten anbietet, kann man auch mit einer größeren Population verschiedener Arten im Garten rechnen, zumal potentielle Brutvögel nicht jede Nistgelegenheit akzeptieren, sondern nach eigenen Gesichtspunkten auswählen. Der 3) Eckpfeiler für eine reichhaltige Vogelwelt im Garten ist eine Vogel-Futterstelle, die unbedingt ganzjährig betrieben werden sollte. Wie oben dargestellt, ist einer der wesentlichen Hauptgründe für den Rückgang unserer Vogelwelt die dramatische Abnahme sowohl pflanzlicher (Sämereien) als auch tierischer (Insekten) Nahrung. Sie ist nicht einfach durch einen „naturnahen“ Garten zu ersetzen, wie immer wieder von Vogelschutzverbänden behauptet wird. Rechnet man nach, was Vögel im Jahresverlauf brauchen, dann ernährt ein recht naturnah betriebener Hausgarten mit seinen Sämereien gerade mal etwa eine Handvoll Grünlinge das ganze Jahr über – der Rest muss sich anderswo umsehen. Da naturnahe Gärten die Ausnahme sind, müssen Gartenvögel, die nicht gefüttert werden, meist weit umherstreifen, und damit dünnt der Vogelbestand eines Gartens, auch wenn er eine noch so gute Oase darstellt, rasch wieder aus. Durch ganzjährige Vogelfütterung im Hausgarten erhält man nicht nur viele Nahrungsgäste, sondern auch überdurchschnittlich viele Brutvögel – Näheres dazu ist in unserem o. g. Buch ausführlich dargestellt.


Kosten-Nutzen: Eine Bilanz

Nun wird sich vielleicht mancher sagen: Wenn ich Vögel erst füttern muss, um sie in größerer Zahl in meinen Garten zu bekommen, dann ist das mit Kosten verbunden, und sind denn dann die Vögel für mich – außer, dass sie mich vielleicht erfreuen – überhaupt noch von Nutzen? Auch hierauf ist die Antwort ein eindeutiges Ja! In einem naturnah angelegten Garten, wie beschrieben, kann man selbst im Stadtbereich bei uns mit etwa 10 bis über 30 erscheinenden Vogelarten rechnen, wovon rund 20 im Gartenbereich auch brüten. Bei günstiger Lage mit vogelfreundlichem Umfeld können in einem Hausgarten von etwa 500 m2 Fläche alljährlich 10-15 Paare von Singvögeln brüten, und bei einer ganzjährig betriebenen Futterstelle können bis kurz vor der Brutzeit und alsbald danach täglich 100-1000 Individuen den Garten besuchen. Zu den häufigsten Brutvögeln und Gästen unserer Gartenanlagen gehören Kohl-, Blau- und Sumpfmeise, Amsel, Grünling, Kleiber, Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Haus- und Feldsperling, vielfach auch Star, Singdrossel, Buchfink, Girlitz, Gimpel, Stieglitz, Mönchs- und Gartengrasmücke, Heckenbraunelle, Zilpzalp, aber auch Spechte, Schnäpper, Wildtauben u. a. Die meisten dieser Arten besuchen nicht nur die im Garten angelegten Futterstellen, sondern suchen in der Regel tagtäglich, ausdauernd und in jedem Winkel nach Fressbarem - von der Laubstreu am Boden, die häufig gewendet wird, über die Kraut- und Staudenschicht sowie die Büsche bis hinauf in die Kronen der Bäume. Dabei werden – je nach Art – kleine Gehäuseschnecken, Käfer, Raupen, Blattläuse usw. in Menge verzehrt, sodass viele unserer potentiell gefährlichen Gartenschädlinge verschwinden, bevor sie überhaupt wirksam werden können. Lagen früher nur wage Schätzungen über den Nutzen von Singvögeln in unseren Pflanzenkulturen vor, so verfügen wir heute über verlässliche Untersuchungsergebnisse aus umfassenden Studien. So haben beispielsweise führende Meisenforscher aus Holland 2005 berichtet, dass schon 3 Kohlmeisen-Brutpaare mit ihren Bruten auf einem Hektar ökologisch betriebener Apfelbaumplantage 23-49 % der Schädlings-Raupen vertilgen können (Quelle s. u.). Ähnliche Ergebnisse wurden in Ostdeutschland mit der Ansiedlung von Feldsperlingen erzielt. Natürlich kann man mit einem Garten voller Vögel keine Pilzkrankheiten von Kartoffeln oder Tomaten oder Mehltau von überzüchteten Rosensorten fernhalten, aber bei Obst und auch bei den meisten Gemüsesorten kann man weitestgehend auf den Einsatz von Pflanzenschutz-Chemikalien verzichten. Fazit: Auch in unserer vogelarmen Zeit lohnt es sich noch, möglichst viele gefiederte Freunde in den Gartenbereich zu holen, und sie lassen sich in der Tat auch noch anlocken und ansiedeln, wenn auch mit mehr Aufwand als noch vor 50 Jahren.


Weiterführende Literatur

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1997): Die Brutvögel Mitteleuropas. Bestand und Gefährdung. Aula, Wiesbaden. 2. Aufl.

Berthold, P. (1990): Die Vogelwelt Mitteleuropas: Entstehung der Diversität, gegenwärtige Veränderungen und Aspekte der zukünftigen Entwicklung. Verh. Dtsch. Zool. Ges. 83: 227-244

Berthold, P. (2003): Die Veränderung der Brutvogelfauna in zwei süddeutschen Dorfgemeindebereichen in den letzten fünf bzw. drei Jahrzehnten oder: verlorene Paradiese? J. Ornithol. 144: 385-410

Berthold, P. (2008): Vogelzug. Eine aktuelle Gesamtübersicht. Wiss. Buchges. Darmstadt. 6. Aufl.

Berthold, P. & G. Mohr (2008): Vögel füttern – aber richtig. Kosmos. 2. Aufl.

Berthold, P. (2009): Vögel füttern und ansiedeln. Nützliche Helfer im Garten. Schwäbischer Bauer 49: 54-55

Deckert, G. (1968): Der Feldsperling. Die Neue Brehm-Bücherei, Wittenberg Lutherstadt

Mols, C. M. M., van Noordwijk A. J. & Visser M. E. (2005): Assessing the reduction of caterpillar numbers by Great Tits Parus major breeding in apple orchards. Ardea 93: 259-269



















Die Internationale Grüne Woche 2011 findet vom 21.01.2011 bis 30.01.2011 statt.


Öffentliche Veranstaltungen, die der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. im Rahmen der Grünen Woche 2011 durchführt


Freitag, 21.01.2011
11:00 Uhr Halle 9c Bühne                                     Tag des Gartens
                                                                                
mit Peter Ehrenberg, Edgar
                                                                                 Thomas,Peter Paschke und Rolf
                                                                                 Neuser

20:00 Uhr Palais am Funkturm                             Ball der Gartenfreunde
                                                                               
Karten sind beim Landesverband 
                                                                                käuflich zu erwerben (€ 43,00 oder 
                                                                                € 48,00)
Samstag, 22.01.2011
15:00 Uhr Halle 9 c Bühne                                   Tag des Gartens
                                                                                P. Ehrenberg, E. Thomas,
                                                                                P.Paschke, Dr. A. Friedrich u.a.

Sonntag, 23.01.2011
10:00 Uhr Dachgarten ICC Berlin                       8. Forum
                                                                              
 des Landesverbandes Berlin der 
                                                                               Gartenfreunde e.V. 
                                                                               Schlösser und Gärten / 
                                                                               Verbindung zu Haus- und
                                                                               Kleingärten
                                                                               Prof. Dr. Michael Rohde
                                                                               Stiftung Preuische Schlösser und 
                                                                               Gärten Berlin Brandenburg
                                                                               Die Entwicklung unserer Vogel-
                                                                               welt und die Ansiedlung von
                                                                               nützlichen Arten im Garten
                                                                               Prof. Dr. Peter Berthold, Max-Planck-
                                                                               Institut für Ornithologie, Vogelwarte
                                                                               Radolfzell

11:00 Uhr Halle 9c Bühne                                   Traditionsgeschichte der Berliner 
                                                                               Kleingärtner

13:00 Uhr Halle 9c Bühne                                   Traditionsgeschichte der Berliner 
                                                                               Kleingärtner

15:00 Uhr Halle 9c Bühne                                   Singer Act
                                                                              – Musik und Tanzvorführung

16:00 Uhr Halle 9 c Bühne                                  Preisübergabe des Fotowettbe-
                                                                              werbes des Verlages W. Wächter,
                                                                              OBI, LV

Montag, 24.01.2011
10:00 Uhr ICC Berlin Saal 10                             
Landesfrauenforum
                                                                              Frauen tragen die Hälfte der Welt 
                                                                              – auch im Kleingartenwesen?
                                                                              Monika Thiemen, Bezirksbürgermeisterin 
                                                                              von Charlottenburg/Wilmersdorf
                                                                              Kräuter für Balkon und Gärten
                                                                              Dipl.-Ing. Ursula Müller
                                                                              Freilandlabor Britz e.V.

13:00 Uhr Halle 9 c Bühne                                 Das Berliner Original Benno Radke 
                                                                              mit Pianist

14:00 Uhr Halle 9 c Bühne                                 Wilhelm-Naulin-Stiftung und
                                                                              Lenné Akademie für Gartenbau
                                                                              und Gartenkultur

16:00 Uhr Halle 9 c Bühne                                 Musikeinklang und
                                                                              Rede Prof. Dr. Neumann

danach
17:00 Uhr Halle 9 c Bühne                               Der Regierende Bürgermeister von 
                                                                            Berlin, Klaus Wowereit, zu Gast
                                                                            beim Landesverband Berlin der 
                                                                            Gartenfreunde 

                                                                            Festrede zum 110-jährigen Bestehen
                                                                            des Landesverbandes Berlin der
 
                                                                            Gartenfreunde  e.V.  
                                                                            mit anschließender kurzer Diskussion.


Dienstag, 25.01.2011
14:00 Uhr Halle 9 c Bühne                               Anbeeten
                                                                           – computergesteuerte Beetplanung

15:00 Uhr Halle 9 c Bühne                              Circus Cabuwazi
                                                                          – Kinder und Jugendtheater – 
                                                                          Das Märchen von Taborka

16:00 Uhr Halle 9 c Bühne                             Jugend macht Grün bunter

Mittwoch, 26.01.2011
11:00 Uhr Halle 9 c Bühne                            Ver- und Entsorgung im Kleingarten

15:00 Uhr Halle 9 c Bühne                            Zukunft der Kleingärten
                                                                        – politisches Forum zu den Themen:
                                                                        • Schutzfristen
                                                                        • Autobahnbau
                                                                        • Private Grundeigentümer
                                                                        • Bebauungspläne

Donnerstag, 27.01.2011
11:00 Uhr Halle 9 c Bühne                          Vorführung der Tai Chi Gruppe

13:00 Uhr Halle 9 c Bühne                          Die AWO Berlin zur Gast beim
                                                                      Landesverband Berlin der
                                                                      Gartenfreunde e.V.

Freitag, 28.01.2011
11:00 Uhr Halle 9 c Bühne                         Zukunft der Kleingärten 
                                                                     – politisches Forum zu den Themen:
                                                                     • Innerstädtische Grünflächen
                                                                     • Schutzfristen
                                                                     • Autobahnbau/Emissionsschutz
                                                                     • Private Grundeigentümer
                                                                     • Bebauungspläne

15:00 Uhr Halle 9 c Bühne                        Tag des Ehrenamtes
                                                                     – Auszeichnung verdienter
                                                                        Gartenfreunde

Samstag, 29.01.2011
15:00 Uhr Halle 9 c Bühne                        Vorführung der Line-Dance-Gruppe

?? Uhr                                                         Baumschnitt-Diskussion

Sonntag, 30.01.2011
10:00 Uhr Halle 9 c Bühne                        Resümee




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Berlin summt

Berlin ist die artenreichste europäische Hauptstadt und Kleingartenanlagen haben einen großen Anteil am Erhalt der biologischen Vielfalt. Der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V. unterstützt die Initiative der Stiftung Mensch und Umwelt „Berlin summt“.

www.berlin-summt.de




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