Tipps für den Garten
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Verfasst am 23.11.2016 um 15:42 Uhr

Bunte Vielfalt im Garten

Gemüseanbau: Mischkultur, Fruchtfolgen, Anbaupläne   


Nur an Standorten mit voller Sonne können sich die Pflanzen optimal entwickeln. Foto: Sven Wachtmann

Standortverhältnisse

Für eine gesunde und reiche Gemüseernte in Ihrem Garten sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Als erstes sollten Sie Gemüsepflanzen nur an Stellen mit voller Sonne anbauen. An Standorten mit zu wenig Sonne wachsen die Pflanzen nicht sehr gut und werden auch nicht so groß wie in voller Sonne. Auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten würde hier geschwächt werden. Außerdem sollten Sie einen Standort für die Gemüsepflanzen finden, der genügend durchlüftet werden kann, hierdurch beugen Sie möglichen Pilzkrankheiten vor. 


Auch der Boden spielt bei einem optimalen Standort eine entscheidende Rolle. Er muß möglichst gut zu bearbeiten sein, Lehm- und Sandanteile enthalten sowie einen entsprechenden Humusgehalt von rund fünf Prozent aufweisen. Bei schweren Böden sollten Sie vom natürlichen Prozess der Frostsprengung Gebrauch machen und Ihren Gartenboden im Herbst umgraben. 


Nach jeder Ernte sollte der Boden wieder mit ausreichenden Nährelementen angereichert werden, damit auch die neuen Kulturen wieder ausreichend Nahrung bekommen. Dies kann mit mineralischen wie mit organischen Düngergaben erreicht werden. Vorteilhaft ist auch eine Düngung mit Gründüngungspflanzen, die den Luftstickstoff binden können und die Erosion verhindent. Anschließend werden die Pflanzen untergegraben.


Wachstumsfaktoren
 
Eigenschaften/Aufgaben
Wasser
- Wachstumsfaktor
- Aufnahme und Transport von Nährstoffen und Assimilaten
- Erhaltung des Zelldruckes
- zur Regulierung der Verdunstung
- biochemische Reaktionen
- ist ausschlaggebend für Ertrag, Wachstum und Qualität
- ist in der Pflanzenmasse zu 75-95% enthalten
 
Licht
- beeinflusst die Photosynthese
- Zusatzlicht oder Verdunklung zur Steuerung des vegetativen und  
  generativen Wachstums (Langtagspflanze/Kurztagspflanze)

Temperatur
optimale Temperatur während der Jungpflanzenzucht beachten („Schossen“)

Boden
- lehmigen Sandboden und sandigen Lehmboden
- pH-Wert von 6,5 bis 7,5
- Humusgehalt von 6-7%
- gute Wasserführung
- stabile Struktur
- Erhaltung der Bodengare
- schwere Böden tief bearbeiten
- Bodenuntersuchung

Düngung/Nährstoffe
- richtige Stickstoffmenge
- unter Glas CO²-Düngung
- pH-Wert beachten
- Gesundkalkung

 

Foto: Sven Wachtmann

 Anbauplanung

Die Planung der Anbaufläche verlangt eine entsprechende Überlegung, welche Kulturen auf welchen Flächen angebaut werden sollten, ob sich die Kulturen bezüglich Nährstoffbedarf und Wurzelverträglichkeiten positiv beeinflussen und wie lange die Kulturzeit der einzelnen Kulturen dauert. Dies sind viele Überlegungen, die aber bei einem geübten Kleingärtner im Laufe der Jahre zu guten Erfahrungswerten führen.

 

Bei der Pflanzung bzw. bei der Aussaat von Gemüse ist auf den richtigen Pflanz- und Reihenabstand zu achten. Die verwendeten Gemüsesorten sollten gute Ertragseigenschaften, Qualitätseigenschaften und eine gewisse Resistenzeigenschaft besitzen.


Kulturfolge

Was ist Kulturfolge? Sie ist der aufeinanderfolgende Anbau mit geplantem Wechsel von Gemüsearten auf ein- und demselben Beet während einer Vegetationsperiode. Kurzgefast: Die Abfolge mehrerer Gemüsearten auf einem Beet in einem Jahr. Man unterteilt die Kulturfolge in Vorkultur, Hauptkultur und Nachkultur. Ein Beispiel für die Kulturfolge wäre: Vorkultur: Radis, Spinat; Hauptkultur: Tomaten, Gurken, Kohl; Nachkultur: Spinat, Feldsalat. Die Elemente der Kulturfolge findet man in der Mischkultur wieder.


Mischkultur

Der Ursprung der Mischkultur liegt in der Natur. Mischkultur oder Mischanbau ist der Anbau verschiedener Gemüsearten, zweier oder mehrer Kulturen auf einem Beet. Bei Mischkulturen wird die gärtnerische Fläche intensiv und optimal genutzt. Denn Pflanzen auf dem Beet ergänzen sich zum Beispiel im Bereich Pflanzenschutz, Düngung, Erntezeit oder beeinflussen sich nachteilig durch Duft- und Wurzelausscheidungen. Positiv beeinflussen sich etwa Zwiebel und Möhren (Schutz gegen die Möhrenfliege). Ungünstige Kombinationen wären zum Beispiel Erbsen und Zwiebeln; Gurken und Radieschen, Tomaten oder Kartoffeln.


Mischkultur-Effekte                             

Die Partner-Pflanzen sind attraktiv für Nützlinge (sie locken Bienen, Hummeln und weitere Insekten an, die Blüten bestäuben).

Sie geben Duftstoffe ab, die Insekten verwirren und vertreiben.

Sie erschweren Schädlingen das Auffinden ihrer Wirtspflanzen, indem sie eine Barriere bilden oder das gesuchte Gemüse tarnen.

Sie locken Schädlinge von der Partner-Kultur weg.

Ihre Wurzeln scheiden Stoffe aus, die die Bodengesundheit fördern.

Sie schützen empfindliche Pflanzen vor Wind und Kälte.

Sie dienen dem Partner als Stütze.

Sie bedecken den Boden und unterdrücken Wildkräuter.

Sie beschatten den Boden und sorgen so für eine gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung.

Sie binden Luft-Stickstoff und reichern den Boden mit diesem wichtigen Nährstoff an.

Sie holen Nährstoffe aus dem Unterboden und schließen sie auf.


Fruchtfolge/Fruchtwechsel

Was versteht man unter Fruchtfolge? In Kürze: Wer nach wem kann und darf. Der Zeitraum der Fruchtfolge ist für ein Jahr bestimmt. Es sollte bei der Fruchtfolge auf die Nährstoffansprüche und die Dauer der Kultur geachtet werden. Beispiele der Familienzugehörigkeit von Gemüse für die richtige Fruchtfolge:

Kreuzblütengewächse (z. B. Kohl)

Doldenblütengewächse (z. B. Möhren)

Gänsefußgewächse (z. B. Mangold)

Korbblütengewächse (z. B. Salate)

Mitglieder derselben Familien sollten nur alle drei bis vier Jahre auf dasselbe Beet gesetzt bzw. gepflanzt werden. Ziel der Fruchtfolge ist es, die Ertrags- und Qualitätssicherung durch Minimierung von Anbaurisiken zu vermeiden.


Warum sollte man Fruchtwechsel betreiben?

Fruchtwechsel sorgt für gute Ernteerträge. Bei dauerhaft einseitigem Anbau von Gemüse gehen die Erträge zurück. Gründe für Ertrags- und Qualitätsrückgang können sein: Unverträglichkeiten von Pflanzen (toxisch wirkende Stoffwechselprodukte); einseitiger Verbrauch von Nährstoffen; einseitige Durchwurzelungstiefe oder einseitige Schaderreger.



Sven Wachtmann

Landesgartenfachberater