Tipps für den Garten
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Verfasst am 09.01.2017 um 11:00 Uhr

Gewächshaus im Kleingarten – reiche Ernte auch an kalten Tagen


Gewächshäuser ermöglichen Gartenarbeiten auch bei sehr niedrigen Temperaturen. Auch empfindliche Pflanzen, die in südlicheren Gebieten beheimatet sind, können sorglos angebaut werden. 

Foto: Sven Wachtmann

Was ist ein Gewächshaus und welchen Zweck erfüllt es?     
Ein Gewächshaus – auch Glashaus oder Treibhaus genannt – ist eine lichtdurchlässige, wärmespeichernde Konstruktion, die das kontrollierte Kultivieren von Pflanzen auch in den Wintermonaten ermöglicht. Da Temperatur und Bewässerung regelbar sind, lässt sich das Klima steuern und dadurch optimale Wuchsbedingungen schaffen.


Wie funktioniert ein Gewächshaus?
Das Sonnenlicht lässt die Temperatur im Gewächshaus ansteigen. Die Strahlen erwärmen zunächst den Boden, die Pflanzen und Teile des Hauses, wobei die von ihnen wieder abgegebene Wärme von der Raumhülle zurückgehalten wird. Glas und Plastikwerkstoffe (Folie und Stegplatten) sind für das sichtbare Spektrum des Sonnenlichts, das relativ kurzwellig ist, durchlässig. Der dunkle Boden und die Pflanzen absorbieren das Licht, wodurch es zur Erwärmung kommt. Wärmestrahlung ist langwellig und kann Glas und Kunststoffe fast nicht durchdringen, das Gewächshaus heizt sich auf. Es entsteht der sogenannte Glashauseffekt. Diese Temperaturen sind optimal und gewollt für das Pflanzenwachstum. Bei zu starker Aufheizung der Gewächshausluft muss diese aber durch Fenster entweichen können.


Wie groß darf ein Gewächshaus im Kleingarten sein?

Nach den Berliner Verwaltungsvorschriften über Dauerkleingärten und Kleingärten auf landeseigenen Grundstücken kann auf der Parzelle ein Gewächshaus mit einer Grundfläche bis zu zwölf Quadratmetern und einer Höhe bis zu 2,20 Metern errichtet werden. Zusätzlich zu den Baulichkeiten darf nur ein Gewächshaus im Kleingarten aufgestellt werden. Eine Teilnutzung als Schuppen ist allerdings nicht statthaft. 


Hier gedeihen Gurken und Tomaten ebenso wie Zucchini, Aubergine bis hin zu Salat und Paprika. Aber auch außergewöhnliche Sorten wie Melonenbirne oder Kirschpaprika fühlen sich im Gewächshaus wohl. Foto: B. Holzerland


Welche Überlegungen sollten vor dem Kauf eines Gewächshauses angestellt werden?
Der Kauf eines Gewächshauses ist eine langfristige Investition, für die man mindestens 1.000 Euro an Gesamtkosten einplanen muss. Wer ein Gewächshaus anschaffen möchte, sollte vorher klar entscheiden, wie er es nutzen will, entweder ganzjährig als sogenanntes Warmhaus (nachts mindestens 17 bis 18 °C, tagsüber 23 bis 25 °C), als temperiertes Gewächshaus (nachts mindestens 10 °C, tagsüber um 

15 °C) oder als Kalthaus, das bei Bedarf frostfrei gehalten wird. Neben der Größe (Erdbeete oder Stellflächen für Tische), Stromanschluss, Ausstattung (Heizungsart/ Belüftung/Schattierung/Transparentflächen), Wasser sowie Material ist auch die Standortwahl ein wichtiger Faktor. Der Markt für Gewächshäuser ist groß – da lohnt sich ein Herstellervergleichauf jeden Fall.


Aus welchen Materialien besteht ein Gewächshaus?
„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen ...“. Das Sprüchlein mag bei Verwendung von Fensterglas durchaus zutreffen. Die hohe Bruchrate von normalem Glas ist allerdings nur ein Grund dafür, warum dieses nur noch selten im Bereich des Gewächshausbaus zum Einsatz kommt. Mittlerweile verwendet man meist sogenannte Stegdoppelplatten aus Plexiglas oder Polycarbonat. Diese sind nicht nur wesentlich robuster als Glas, sondern überzeugen vor allem durch ihre isolierenden Eigenschaften und die bessere UV-Durchlässigkeit, was dem Pflanzenwachstum zugute kommt. Durch spezielle Beschichtungen wird zudem die Bildung von Kondenswasser eingeschränkt. Die Luftfeuchtigkeit bleibt aber hoch, was eine Belüftung sehr wichtig macht. Die Grundkonstruktion besteht in den meisten Fällen aus einem Stahl-, Aluminium- oder Holzgerüst. Die Hülle ist traditionell aus Glas, meist aber auch aus energiesparenden, transparenten Kunststoffplatten oder Kunststofffolien.


Wie wichtig ist die Belüftung im Gewächshaus?
Pflanzen im Gewächshaus brauchen für ein gesundes Wachstum einen regelmäßigen Luftaustausch. Das Glashaus sollte daher über mehrere Dachfenster in Kombination mit Lamellenfenstern verfügen. Sie können auch nachträglich eingebaut werden. So kann warme Luft aus dem Giebelbereich entweichen und kühlere Luft durch die Lamellenfenster nachströmen. Auch automatische Fenster (öffnen/schließen) sind empfehlenswert.


Für die Aussaat eigenen sich am besten kleine Kunststoffschalen. Sobald die Pflanzen gekeimt sind und eine gewisse Größe erreicht haben, müssen sie pikiert werden. Foto: D. Hauptmann

Wie sollte das Gewächshaus-Fundament beschaffen sein?
Ein frostfreies Streifenfundament benötigt eine Tiefe von 80 Zentimetern unter Geländeniveau. Bequem und kostengünstig sind aber auch Stahl- oder Aluminiumfundamente. Diese sind immer absolut eben und rechtwinklig. Das sind unerlässliche Voraussetzungen für ein Fundament.


Wie sollte der Standort für ein Gewächshaus gewählt werden?

Idealerweise liegt die Längsseite des Gewächshauses in Ost-West-Ausrichtung und wird tagsüber nach Möglichkeit nicht beschattet.


Wie ist eine gute Schädlingsbekämpfung im Gewächshaus möglich?
Durch den begrenzten Raum ist der Einsatz von Nützlingen sehr sinnvoll und effektiv. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte möglichst nur im Bereich von Pilzbehandlungsmitteln (Fungiziden) erfolgen, wenn es wirklich notwendig erscheint.


Welche Nützlinge können im Gewächshaus eingesetzt werden?

Als wichtigste seien hier genannt: Raubmilbe gegen Spinnmilbe, Schlupfwespe gegen weiße Fliege, Florfliege oder auch Marienkäfer gegen Blattläuse, den Australischen Marienkäfer gegen eine Vielzahl von Woll- und Schmierläusen und noch viele andere. 



Sven Wachtmann

Landesgartenfachberater