Tipps für den Garten
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Verfasst am 01.04.2016 um 16:35 Uhr

Insekten fördern

Biodiversität in unseren Kleingärten           


Kleingärten bieten vielen hei­mischen Pflanzen­ und Tier­arten einen wichtigen Lebens­raum und sind daher von großer Bedeutung für den Erhalt der bio­logischen Vielfalt. Der hohe Stel­lenwert, den der Schutz dieser Vielfalt genießt, wird durch die internationale „Biodiversitätskon­
vention“ von 1992 oder die deut­sche „Nationale Strategie zur bio­logischen Vielfalt“ unterstrichen. Gerade in urbanen Räumen sollte der Biodiversität eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt wer­den, spielt sie doch eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung des „urbanen Grüns“. So kann bei­spiels weise durch viele verschie­dene Pflanzen und eine gezielte Förderung von Nützlingen dem Befall mit Schädlingen entgegen­
gewirkt werden. Nützliche Insek­ten vertilgen aber nicht nur Schäd­linge, sie tragen auch zur Bestäu­bung unserer Obstgehölze u.v.m. bei.


Futterpflanzen für Nützlinge
Damit sich Nützlinge aber über­haupt in unseren Gärten etablie­ren und vermehren können, gilt es zunächst, günstige Lebensräu­me zu schaffen und alles zu un­terlassen (Einsatz von Pflanzen­schutzmitteln), was ihre Entwick­lung stört. So ist ein Garten, der nur aus Zierrasen, Thujahecke und
einigen wenigen blühenden Stau­den besteht, ein artenarmer Gar­ten, in dem sich nur wenige In­sekten ansiedeln werden. 


Ein naturnaher Garten mit vie­len verschiedenen heimischen Sträuchern, blühenden Stauden­beeten, Reisighaufen und Tro­ckenmauern, samt vielfältigem Rahmengrün bietet dagegen vie­le verschiedene Lebensräume und Nahrungsangebote für die ver­schiedensten Tiere. Achten Sie bei der Auswahl von geeigneten Nektar­ bzw. Futter­pflanzen auf blütenreiche Zier­ und Wildpflanzen wie z.B. Schlüs­selblume (Primula), Malve (Malva), taudensalbei (Salvia), Taub­nessel (Lamium), Staudenwicke (Vicia), Thymian (Thymus), Glo­ckenblume (Campanula), Lungenkraut (Pulmonaria), Fetthenne (Sedum), Blaukissen (Aubrieta), Gold­Schafgarbe (Achillea), Zier­lauch­Arten (Allium), Wildrose (Rosa), aber auch unterschiedli­ches Beerenobst. Diese Arten bieten einer Vielzahl von Insekten Futter, allerdings sollten wir dabei auch nicht die Nahrungsspezialisten aus den Augen verlieren. So be­nötigt beispielsweise die Wollbie­ne für den Nestbau den Wollziest (Stachys byzantina) oder Deutschen Ziest (Stachys germanica), und die Rau­pen des Zitronenfalters er­nähren sich vom Faulbaum (Frangula alnus) oder Echten Kreuzdorn (Rhamnus cathartica). 


Pflanzen und Bienen gehören zusammen
Neben den vielen Wildinsekten, trägt auch die Honigbiene einen wichtigen Teil zur Förderung der biologischen Vielfalt bei. Helfen Sie deshalb mit, dass die Bienen genügend, und vor allem langfris­tig (vom Frühjahr bis in den Herbst), Nahrung in unseren Gärten finden können. Bienen und blühende Pflanzen gehören einfach zusam­men. Nachfolgend habe ich einige Tipps für Sie zusammengestellt, mit denen Sie gezielt Bienen för­dern können.

• Pflanzen mit ungefüllte Blüten bevorzugen.
• Artenreiche Blumen- und Kräuterwiesen anlegen.
• Blühende Hecken nutzen.
• Durchgängiges Blütenangebot vom Frühling bis zum Herbst schaffen.


Beispiele für Bienennährpflan­zen, auch Trachtpflanzen genannt:

Bäume: Obstbäume, Weide (Salix), Haselnuss (Corylus), Kor­nelkirsche (Cornusmas) 

Sträucher: Wilder Wein (Vitis), Liguster (Ligustrum), Waldrebe (Clematis), Rosen (Rosa, ungefüllt), Fingerstrauch (Potentilla), Kletter­hortensien 

(Hydrangea), Falscher Jasmin (Philadelphus), Schneehei­de (Erica), alle Beerensträucher

Stauden und Zwiebelgewächse: Schneeglöckchen (Galunthus), Krokus (Crocus), Gänsekresse (Arabis), Lungenkraut (Pulmonaria), Bärlauch
(Allium ursinum), Stein­kraut (Alyssum), Vergissmeinnicht (Myosotis), Goldnessel (Lamium), Fetthenne (Sedum), Ziermohn (Papaver), Kugeldistel 

(Echinops), Sonnenhut (Echinacea)

Kräuter: Thymian (Thymus), La­vendel (Lavandula), Salbei (Salvia)

Blumen: Goldmohn (Eschscholzia), Schmuckkörbchen (Cosmea), Bein well (Sym phytum), Malve (Malva), Katzenminze (Nepeta), Bienenfreund (Phacelia), Studen­tenblume (Tagetes), Kornblume (Centaurea), Sonnenblume (Helianthus), Senf (Sinapis), Mohn (Papaver), Ringelblumen (Calendula), Buchweizen (Fagopyrum) und noch viele weitere Pflanzen.


Maßnahmen zur Umsetzung im Kleingarten
Neben dem Bereitstellen geeigneter Futterpflanzen gibt es natür­lich noch eine ganze Reihe wei­tere Möglichkeiten, um die Vielfalt der Fauna im „Ökosystem Garten“ zu erhöhen. So können wir bei­spielsweise durch eine gezielte Förderung, wie das Aufstellen ei­nes Insektenhotels  zusätzlich Insekten wie Wildbienen, Hummeln, verschiedene Wespenarten, Schweb­fliegen, Ohrwürmer oder Flor­fliegen anlocken. Schließlich sind diese Tierchen für eine natürliche Schädlingsbekämpfung oder für die Bestäubung unserer Pflanzen unersetzlich.Nachfolgend finden Sie noch
eine kleine Zusammenfassung von weiteren Gestaltungsvorschlägen, die sich teilweise mit geringem Aufwand auch im eigenen Klein­garten umsetzen lassen.


• Dachbegrünung der Laube
• Wildstrauchhecken anpflanzen
• Wasserflächen wie Feuchtbiotope oder Gartenteich (kein Fisch­besatz) schaffen
• Trockenmauern (ohne Fugenmasse) oder Steinhaufen (sonniger Standort) anlegen
• Nistplätze schaffen
• Laub-, Reisig- und Totholzhaufen liegen lassen
• Einheimische Pflanzen bzw. Wildformen auswählen
• Auf möglichst lange Blühzeiten im Jahr achten
• Eine Blumenwiese anlegen (auf sonnigen Sand­ bzw. mageren Böden)
• Wildes Eck (sonniges Eck)
• Mischkulturen fördern
• Fruchtstände im Winter an den Pflanzen belassen
• Ganzjährige Bodenbedeckung


Mit diesen Anregungen haben Sie nun eine große Auswahl von Möglichkeiten, um die Flora und Fauna im eigenen Garten zu för­dern. Überreden Sie am besten auch Ihren Gartennachbarn dazu, um gemeinsam etwas aus der Natur – für unsere Natur – zu ma­chen.



Sven Wachtmann
Landesgartenfachberater, Berliner Gartenfreund 4-2016

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