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Verfasst am 05.03.2015 um 16:55 Uhr

Kirschessigfliege - Bedrohung für das Beerenobst

Die Kirschessigfliege breitet sich aus     


Foto: D. Schmidt

Ein ungebetener Gast sucht seit einiger Zeit unsere Obst- und Weinbauplantagen heim und hat sich in kurzer Zeit zu einer ernsthaften Bedrohung entwickelt, die invasive Kirschessigfliege Drosophila suzukii (Matsumura, 1931). Ursprünglich aus Asien stammend, breitet sie sich in jüngster Zeit über Amerika und Europa aus.


Schadbild

Sie gehört zu den Obst-, Essig- oder Taufliegen (Diptera Drosophilidae) und befällt im Gegensatz zu anderen Arten dieser Gattung gesunde Früchte kurz vor der Ernte. Zudem verfügt sie über ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum, ein enormes Vermehrungspotenzial und einen kurzen Entwicklungszyklus. Heimische Fruchtfliegen befallen nur geerntetes, überreifes oder faulendes Obst.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kirschessigfliege über die gesamte Vegetationsperiode Wirtspflanzen findet. Auch Früchte heimischer Wildobstarten wie Holunder, Hagebutten, Mahonie

und Kornelkirsche werden angenommen.


Wirtspflanzen

Bei Kirschen und anderen dünnschaligen Früchten wie Himbeeren, Blau- und Brombeeren, Erdbeeren und Weintrauben, kommt es zunächst zu kleinen Beschädigungen auf der Oberfläche. Wenige Tage später kollabieren dieFrüchte.


Biologie

Die Maden der Kirschessigfliege zerstören das Fruchtfleisch. In der Folge werden die Früchte oft von Pilzen und Bakterien (Sekundärinfektion) besiedelt.


Die Weibchen der Kirschessigfliege sind in der Lage, in reifendes, gesundes Obst Eier zu legen. Dafür benutzen sie einen mit speziellen Zähnen besetzten Eilegeapparat. Durch einen kurzen Generationenzyklus von nur zehn bis elf Tagen im Sommer und hohen Vermehrungsraten ist das Schadpotenzial im Obst- und Weinbau sehr hoch.


Die Kirschessigfliege ist etwas größer als unsere heimischen Obstfliegen, sie hat rote Augen, und auf den Flügelenden der Männchen befindet sich ein dunkler Punkt.


Foto: Pflanzenschutzamt Berlin

Maßnahmen

Einzelne Maßnahmen werden nicht ausreichen, den Schädling in Schach zu halten, sondern es wird ein ganzes Repertoire (integrierter Pflanzenschutz) erforderlich sein. Zunächst gilt es, das Auftreten der Kirschessigfliege rechtzeitig zu erkennen. Dafür wird das Aufstellen von Fallen empfohlen. Als Falle können Kunststoffbehälter mit 250 bis 750 ml Inhalt mit dicht schließenden Verschlüssen benutzt werden. An der Seite sind Öffnungen von etwa fünf Millimeter Durchmesser anzubringen. Die Fliegen gelangen durch diese Löcher hinein. Als Lockmittel ist Apfelessig mit Rotwein zu verwenden. Etwa ein Drittel des Behälters sollte mit Flüssigkeit gefüllt werden.


Die Bekämpfung stellt die Wissenschaft vor große Probleme, besonders den Bioanbau. Pflanzenschutzmittel sind keine Option, denn Resistenzmanagement und Rückstandproblematik erzwingen andere Lösungen. Geforscht wird zum Beispiel über den Massenfang mittels Lockstoffen (Pheromonen), die Anwendung von Repellentien (Vergrämungsmitteln), und den Einsatz von Nutzorganismen.


Beim Auftreten im Haus- und Kleingarten kommen zum jetzigen Zeitpunkt Hygienemaßnahmen inBetracht: Befallene Früchte kommen in dicht schließende Tüten, sollten intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, damit die Eier und Maden abgetötet werden beziehungsweise über den Hausmüll, nicht über den Kompost, entsorgt werden. Die Früchte der Wirtspflanzen (alle Beerenobstarten) sind abzuernten. Ein Befall mit der Kirschessigfliege zieht keine Quarantäne nach sich. (Stand Dez. 2014)



Alain Hamm

Bezirksgartenfachberater Berlin-Marzahn, Berliner Gartenfreund 3-2015

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