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Verfasst am 04.11.2026 um 16:30 Uhr

Stacheliger Gast willkommen!     

So wird Ihr Garten richtig igelfreundlich    

Igel finden in naturnahen Lebensräumen einen reichlich gedeckten Tisch. Nahrhafte Regenwürmer, Käfer und andere Leckerbissen laufen ihnen dort häufig über den Weg. Totholz und dichtes Gebüsch dienen als Versteck und aus Laub und trockenem Pflanzenmaterial bauen sie sich ein kuscheliges Nest für den langen Winterschlaf. 


In unserer dicht bebauten Großstadt sieht es weniger idyllisch aus. Zum Glück gibt es auch in Berlin noch ruhige, grüne Oasen mit wilden Ecken, Vielfalt und liebevollen Gärtnern. Damit meine ich natürlich unsere Berliner Kleingartenanlagen!


Wie Gartenfreunde diese wunderbaren, geschützten Wildtiere fördern können, erfahren Sie jetzt.


Was Igel im Garten brauchen Nr. 1: reichlich Nahrung
Igel sind nicht nur putzige, sympathische Wesen, sondern auch nützliche Gartenbewohner. Sie ernähren sich vor allem von tierischer Kost. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Käfer und deren Larven, Schmetterlingsraupen, Ohrwürmer, Regenwürmer, Spinnen und andere Kleintiere. Auch Schnecken werden gefressen.
Wer Igel mag, sollte also für einen lebendigen Garten mit vielen Insekten und anderen Kleintieren sorgen! Ideal für Igel sind naturnah gestaltete Gärten mit vielfältigen Strukturen: wilde Ecken, Totholz-, Reisig- und Laubhaufen sowie eine artenreiche Bepflanzung mit heimischen Sträuchern und Stauden. Damit schaffen Sie Lebensräume für zahlreiche Insekten und andere Kleintiere – und sorgen ganz nebenbei für einen reich gedeckten Tisch für den Igel.

Verzichten Sie im Igelgarten möglichst auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und schaffen Sie stattdessen einen gesunden, lebendigen Boden. Kompost und andere organische Dünger können dazu beitragen, das Bodenleben zu fördern.


Nr. 2: ruhige Schlaf-, Nist- und Überwinterungsplätze

Dichtes Gebüsch, Komposthaufen und trockene Hohlräume unter Holzstapeln oder Treppen bieten Igeln gute Verstecke sowie Schlaf- und Nistplätze. Gerade im Herbst lohnt es sich, den Garten genauer zu betrachten. Vielleicht ist bereits ein stacheliger Mitbewohner auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier oder hat es sich sogar schon in einem Laub-, Reisig- oder Komposthaufen gemütlich gemacht. Viele Igel ziehen sich ab Mitte November in ihre Winterquartiere zurück, manche auch früher. Deshalb gilt: Einmal angelegte oder von Igeln genutzte Winterquartiere im Winterhalbjahr möglichst nicht mehr umsetzen.


Igel brauchen Laub: Eine der einfachsten Möglichkeiten, Igel im eigenen Garten zu unterstützen, ist, Herbstlaub unter einer dichten Hecke liegen zu lassen oder dort zusammenzutragen. Igel können das Material nutzen, um sich selbst ein Winternest zu bauen. Darüber hinaus bietet Laub zahlreichen Insekten und anderen Kleintieren ein Winterquartier – und kommt damit indirekt auch dem Igel zugute.

Ein einfacher Laubhaufen bietet bereits vielen Tieren Schutz. Soll er dem Igel als Winterquartier dienen, sollte er vor allem an einer ruhigen, trockenen und geschützten Stelle liegen und nicht ständig umgesetzt werden.


Eine stabile Unterlage aus Reisig und Ästen kann helfen, das Nest vor Bodennässe zu schützen. Darauf kommt eine großzügige Schicht trockenes Laub, gern ergänzt durch trockenes Gras oder anderes natürliches Nistmaterial. Reisig und Zweige obenauf verhindern, dass das Laub beim nächsten Herbststurm durch den Garten fliegt. Auf Folien oder andere luftundurchlässige Abdeckungen sollten Sie verzichten.

Ein Häuschen für den stacheligen Gast: Auch ein Igelhaus kann einen geschützten Rückzugsort bieten. Stellen Sie es an einem ruhigen und trockenen Platz auf. Ein verwinkelter Eingang erschwert Katzen und anderen Tieren den direkten Zugang. Trockenes Laub eignet sich als Nistmaterial. Anschließend können Sie das Häuschen zusätzlich mit Laub und Reisig abdecken und dann möglichst in Ruhe lassen. Naturschutzorganisationen wie der NABU bieten entsprechende Bauanleitungen an.

Wichtig: Igel sind Gäste in unseren Gärten. Sie sind besonders geschützte Wildtiere und keine Haustiere. Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie ohne Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Verletzte, hilflose oder kranke Tiere dürfen allerdings aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen.


Nr. 3: Bewegungsfreiheit
Igel legen auf ihren nächtlichen Streifzügen beträchtliche Strecken zurück. Deshalb sind Durchgänge zwischen benachbarten Gärten so wichtig. Ein sogenanntes Igeltor in Zaun oder Grundstücksabgrenzung ermöglicht ihnen, auf der Suche nach Nahrung oder einem Partner von Garten zu Garten zu gelangen. Dafür reicht bereits eine ungefähr 13 x 13 cm große Öffnung ohne scharfe Kanten. Achten Sie darauf, dass der Durchgang nicht direkt auf eine viel befahrene Straße führt. Je besser die Gärten einer Kleingartenanlage miteinander verbunden sind, desto größer wird der nutzbare Lebensraum für die Tiere.

Diese Gefahren lauern im Garten
Auch ein grüner Garten kann für Igel gefährlich werden. Besonders problematisch sind Giftköder und Pflanzenschutzmittel, aber auch Gartengeräte. Mähroboter und Rasentrimmer können Igel schwer verletzen. Kontrollieren Sie deshalb vor dem Mähen oder Trimmen unübersichtliche Stellen und verzichten Sie auf den nächtlichen Einsatz von Mährobotern. Auch offene Schächte, steilwandige Teiche, Pools oder Regentonnen können zur Falle werden. Decken Sie Gefahrenstellen ab oder schaffen Sie sichere Ausstiegsmöglichkeiten. Netze sollten Sie so anbringen, dass sich kein Igel darin verfangen kann.

Was tun bei Igeln in Not?
Nicht jeder Igel, den Sie tagsüber oder im Winter sehen, benötigt automatisch menschliche Hilfe. Ein genauer Blick ist aber wichtig. Verletzte, apathische, offensichtlich kranke oder stark geschwächte Tiere sowie verwaiste Igelsäuglinge brauchen fachkundige Unterstützung. Auch ein Igel, der bei Frost geschwächt umherläuft, sollte genauer beobachtet werden.

Im Zweifel gilt: Nehmen Sie Kontakt zu einer Igelstation, einer Wildtierhilfe oder einem igel-kundigen Tierarzt auf, bevor Sie selbst tätig werden. Zwei Anlaufstellen in Berlin und Umgebung sind:


Sollte man Igel füttern?

Im besten Fall finden Igel in unseren Gärten genügend natürliche Nahrung und brauchen kein zusätzliches Futter von uns. Schließlich möchten wir ihre natürliche Lebensweise möglichst wenig beeinflussen. Bei einem hilfsbedürftigen Igel kann eine vorübergehende Zufütterung jedoch sinnvoll sein. Bieten Sie ihm außerdem immer frisches Wasser in einer flachen Schüssel an – niemals Milch!


Als vorübergehendes Futter eignen sich beispielsweise hochwertiges, fleischreiches Katzennassfutter oder ungewürztes, gestocktes Rührei. Pflanzliche Nahrung wie Obst und Gemüse, Brot, Speisereste oder Milch sind dagegen ungeeignet. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Igel überhaupt Hilfe benötigt und wie er richtig versorgt werden sollte, fragen Sie am besten bei einer Igelstation oder anderen fachkundigen Stelle nach.


Viel Spaß mit Ihrem igelfreundlichen Garten!

Nun kennen Sie die Grundlagen für einen igelfreundlichen Kleingarten: ein lebendiger, insektenreicher Garten, freie Wege durch Igeltore, vielfältige heimische Pflanzen sowie Laub, Reisig und ruhige Ecken für den Winterschlaf. Wenn Sie diese Tipps beherzigen und ein bisschen Glück haben, können Sie vielleicht schon bald einen stacheligen Gast in Ihrem Garten willkommen heißen.


Annie Stamm-Grossjohann

11/2026

Bildnachweise: Pixabay, Zugriff 04.11.2026