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Verfasst am 09.07.2026 um 12:53 Uhr

Wilde Ecken im Garten    

Mini-Wildnis für mehr Artenvielfalt    

Steinhaufen und Totholzstämme bieten für viele Tierarten einen geeigneten Unterschlupf.*

In der Großstadt wird es immer schwieriger, erschwinglichen Wohnraum zu finden. Das betrifft leider nicht nur uns Menschen. Auch Wildpflanzen und Tiere finden immer weniger Lebensraum. Früher blühte und summte es in wilden „Baulücken“ überall in Berlin. Doch jetzt, wo die kleinen wilden Ecken nach und nach verbaut werden, verschwinden auch Schmetterlinge, Wildbienen und andere wilde Bewohner der Stadt.

Zum Glück können wir Gartenfreundinnen und Gartenfreunde der Natur ganz leicht unter die Arme greifen. Der wohl einfachste Weg, etwas Lebensraum für die Natur zu schaffen, ist die Förderung wilder Ecken im Kleingarten.


Was sind wilde Ecken im Garten?
Wilde Ecken sind geschützte Bereiche im Garten, die bewusst der Natur überlassen werden, um die Artenvielfalt zu fördern. Dort wird nicht betreten, gejätet, gemäht oder anderweitig eingegriffen. Wildkräuter, Moose, Gräser und andere Wildpflanzen sind dort ausdrücklich erwünscht. Um einen Irrtum gleich aus der Welt zu räumen: Wilde Ecken sind keine Ausrede für einen vernachlässigten Garten – das wäre wirklich zu viel des Guten. In der Regel sind sie nur ein paar Quadratmeter groß und können an einer Stelle oder verteilt im Kleingarten angelegt werden. Gut platziert stehen sie der kleingärtnerischen Bewirtschaftung keineswegs im Wege. Noch ein häufiger Irrtum: Sperrmüll, kaputte Gartengeräte, Bauschutt oder dergleichen gehören selbstverständlich nicht in wilde Ecken.


Warum wilde Ecken so wichtig sind
Je aufgeräumter ein Garten ist, desto weniger Wildtiere und Wildpflanzen können dort leben. Denn Tiere brauchen Wildpflanzen – oft als „Unkraut“ bezeichnet. Besonders Schmetterlinge sind darauf angewiesen: Sie schlüpfen zunächst als Raupen, und diese fressen häufig nur ganz bestimmte Pflanzenarten. Die Brennnessel ist dabei unsere bekannteste und wichtigste Schmetterlingspflanze. Doch auch viele andere Wildpflanzen sind für Schmetterlinge und Wildbienen überlebenswichtig. Wenn wir der Natur wilde Ecken überlassen, kehren wertvolle Pflanzen zurück. Wildbienen und Schmetterlinge finden dort Nahrung und Unterschlupf für sich und ihren Nachwuchs. Im Winter dienen abgeblühte Stängel als Überwinterungsquartier und Kinderstube für Insekten, Samenstände wiederum als Nahrung für Vögel. Auch Igel und Reptilien finden hier Rückzugsorte.


"Wilde Ecken" bestehen immer aus mehreren Elementen.*

Naturbeobachtung macht glücklich

Wilde Ecken sind nicht nur für Wildtiere spannend. Es ist faszinierend zu beobachten, was dort wächst, blüht, kriecht und krabbelt. Setzen Sie sich hin, kommen Sie zur Ruhe und schauen Sie genau hin. Unternehmen Sie mit Kindern eine Käfersafari, bestimmen Sie Pflanzen und Insekten mit Apps, entdecken Sie essbare Wildpflanzen oder malen Sie Wildblumen. Wilde Ecken können auch für uns Menschen wertvolle Rückzugsorte sein.


Natürliche Schädlingsbekämpfung

Mehr Insekten im Garten bedeuten auch mehr Nahrung für Vögel, Igel, Reptilien und Co. – und das zahlt sich aus. Wildtiere machen unsere Gärten gesünder und robuster, indem sie schädliche Insekten reduzieren. Allein ein Meisenpaar mit Jungen frisst etwa 1300 Insekten pro Tag – ein beeindruckender Beitrag zum natürlichen Gleichgewicht im Garten. Je nach Standort werden unterschiedliche Pflanzen und Tiere angezogen. Deshalb lohnt es sich, kreativ zu sein und verschiedene Plätze auszuprobieren: eine schattige Ecke vor Sträuchern, neben dem Kompost im Halbschatten oder am sonnigen, trockenen Rand des Gartens. So entstehen ganz unterschiedliche wilde Ecken für verschiedenste Tiere und Pflanzen.


Nachhaltig Artenvielfalt fördern
Strukturen wie Steinhaufen, Reisighaufen oder Totholz bereichern wilde Ecken – sowohl ökologisch als auch optisch. Ein abgestorbener Baum muss nicht entsorgt werden: Aus Stamm, Ästen und Wurzeln lässt sich ein wertvoller Lebensraum schaffen. Das spart Wege und schafft gleichzeitig Nistplätze für Käfer und Wildbienen. Auch Laub- und Reisighaufen oder Benjeshecken bieten wichtigen Lebensraum – etwa für überwinternde Igel oder nistende Hummeln. Gleichzeitig fördern sie den natürlichen Kreislauf im Garten. Auch Lesesteine lassen sich dekorativ aufschichten. Hier finden Insekten Unterschlupf, Eidechsen und Schmetterlinge Wärme, und vielleicht schaut auch einmal ein Rotkehlchen vorbei. Natursteine aller Art sind geeignet. Wichtig ist ein stabiles Fundament aus großen Steinen, das nach oben hin mit kleineren ergänzt wird. Auch Wasser lässt sich integrieren – von einer einfachen Schale bis hin zum kleinen Mini-Teich. Wichtig ist dabei immer eine Ausstiegshilfe aus Ästen oder Steinen.

Wilde Ecken bepflanzen
Der vielleicht einzige „Nachteil“: Wilde Ecken brauchen etwas Geduld. Es dauert, bis sich Pflanzen ansiedeln und Tiere den Ort entdecken. Wer schneller Ergebnisse sehen möchte, kann mit standortgerechten, pflegeleichten Wildpflanzen nachhelfen. Danach gilt: möglichst in Ruhe lassen. Jäten entfällt. Eine gewisse Gelassenheit gehört dazu. Eine Kombination aus Leitstauden, Gräsern und Bodendeckern bietet eine gute Grundlage. Auch Frühblüher wie Krokusse oder sommerblühende Blumenzwiebeln wie Zierlauch eignen sich hervorragend, da sie jedes Jahr wiederkommen und die Mini-Wildnis wunderbar schmücken. Ebenfalls empfehlenswert: wertvolles heimisches Saatgut aussäen.


Ganz ohne Pflege geht es nicht

Invasive Pflanzen und Baumsämlinge sollten unbedingt entfernt werden, damit die Vielfalt erhalten bleibt. Nach den Eisheiligen können alte Stängel zurückgeschnitten und kompostiert werden – das bringt wieder Licht und Luft in die Fläche. Wichtig ist außerdem, dass Strukturen wie Totholz- oder Steinhaufen nicht umgeschichtet werden, da dadurch Lebensräume zerstört werden könnten. Falls nötig, sollten sie nur vorsichtig von oben ergänzt werden.

Für jeden Bereich gibt es passende Pflanzen.**

Nur Mut!

Auch in einem gepflegten Garten ist Platz für eine kleine wilde Ecke. Suchen Sie einfach ein kleines Stück Garten von ein bis drei Quadratmetern aus, lassen Sie es bewusst wachsen und beobachten Sie, was passiert. Oder beginnen Sie zunächst mit einer wilden Bepflanzung. Mit etwas Gestaltung – etwa einer klaren Rasenkante davor oder einer Einfassung aus Steinen – wird sichtbar: Diese Wildnis ist gewollt und geschätzt – als lebendige Oase im gepflegten, nachhaltigen Garten.


Annie Stamm-Grossjohann

Mitarbeiterin für Gartenfachberatung im Landesverband



Bildnachweise:

* Fotos: ©Lebendige Stadtgärtnerei. www.lebendige-stadtgaertnerei.de

** Foto: © Annie Stamm-Grossjohann

Tabelle: © Verlag W. Wächter

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