Grüne soziale Stadt
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Verfasst am 02.08.2017 um 12:27 Uhr

Berlin ist und bleibt grün und lebenswert!

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz in der Senatsverwaltung für Umwelt, appelliert in einem Gastbeitrag für die Verbandszeitschrift "Berliner Gartenfreund" an die Berliner Kleingärtner zu zeigen, dass es ihnen nicht nur um lieb gewordene Besitzstände, sondern auch um soziale und ökologische Dienstleistungen für die Stadt geht und darum, sich konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung zuzuwenden. 



Stefan Tidow 

Foto: Die Hoffotografen

Der Schutz der natürlichen Ressourcen und die Stärkung der grünen Infrastruktur sind ein wichtiges Anliegen der rot-rot-grünen Koalition in Berlin. Koalitionsvertrag und Regierungsprogramm geben in dieser Hinsicht anspruchsvolle Aufgaben vor. Insbesondere die Erwartungen an uns als neue Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sind hoch. Neue Schutzgebiete sollen entwickelt, die biologische Vielfalt gestärkt und die Stadtbaumkampagne fortgesetzt werden. Ganz oben steht die Erarbeitung einer Charta für das Berliner Stadtgrün und die Überarbeitung des Kleingartenentwicklungsplanes.


Seit einem knappen dreiviertel Jahr bin ich als Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz auch für das Kleingartenwesen in Berlin zuständig. Bei Veranstaltungen wie der Grünen Woche 2017 und auf der IGA 2017, besonders aber bei Besuchen vor Ort konnte ich erleben, wie sich viele Kleingärtnerinnen und Kleingärtner bei der Gestaltung, Öffnung und Präsentation ihrer Kleingartenanlagen engagieren und sich um den Erhalt des Berliner Stadtgrüns verdient machen.


Die Herausforderungen, vor denen Berlin steht und die gerne unter dem Schlagwort der „wachsenden Stadt“ zusammengefasst werden, gehen an den Kleingärtnerinnen und Kleingärtner nicht spurlos vorbei. Ich weiß um die Sorge um den Bestand vieler Kleingartenanlagen. Gerade daher beeindruckt mich der erkennbare Wandel in den Anlagen und im Denken der Kleingärtner. In Zeiten konkurrierender Flächenansprüche ist es wichtig zu zeigen, dass Kleingärten nicht nur für die Pächterinnen und Pächter da sind, sondern für alle Berlinerinnen und Berliner eine Bereicherung darstellen. Kleingärten sind zum Beispiel als Erholungsräume für die umliegenden Kieze von sozialer Bedeutung. Unter ökologischen Gesichtspunkten sind die Kleingartenvereine für uns wichtige Bündnispartner für ein artenreiches Berlin. Ihre ökologische und soziale Bedeutung wird umso deutlicher und öffentlich wahrnehmbarer, je mehr Angebote die Vereine für Kindertagestätten und Schulgärten oder mit ihren Lehrpfaden und Lehrgärten unterbreiten.


Startergarten in der Kleingartenanalge Am Kienberg in Berlin-Marzahn

Foto: Andreas Rinner

Angesichts der Bedürfnisse einer sich verändernden Stadtgesellschaft brauchen wir auch neue innovative Formen der Kleingartennutzung. Der anlässlich der IGA eingerichtete Startergarten mit der Idee der gemeinschaftlichen Nutzung ist eine solche Innovation und sollte „Schule“ machen.

All dies ist wichtig, weil natürlich die Begehrlichkeiten unter dem Druck der wachsenden Stadt auch vor den Kleingärten nicht Halt machen und eine Inanspruchnahme nicht in Gänze ausgeschlossen werden kann. Umso entscheidender ist, dass wir gemeinsam - die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner und die „Grünverwaltung“ - zeigen und überzeugen, dass es eben nicht nur um lieb gewonnene Besitzstände oder Gewohnheiten geht, sondern auch um soziale und ökologische „Dienstleistungen“ für die Stadt. Dass es nicht darum geht, sich abzuschotten vom Stadtgeschehen, sondern sich konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung zuzuwenden. Nur dann kann es mit dem Kleingartenentwicklungsplan auch gelingen, Kleingärten in ausreichendem Maß zu sichern. Neben der Frage des Ersatzes von Kleingärten wird er sich daher auch mit der Entwicklung der Kleingartenanlagen hin zu offenen, gemeinschaftlich nutzbaren Einrichtungen mit den verschiedensten Pachtangeboten befassen müssen.


Die Steuerungsgruppe Kleingartenentwicklungsplan, in der Vertreter Ihres Landesverbandes mitwirken, wird sich diesen Herausforderungen stellen. Die Kleingartenanlagen, Parks, Wälder und Gewässer Berlins leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lebens- und Wohnqualität und zur Verbesserung des Stadtklimas. Wir wollen am Ende der Legislaturperiode sagen können: Berlin ist und bleibt grün und lebenswert! Um dieses Ziel zu erreichen, wünsche ich uns allen viel Kraft, Ausdauer und Kreativität!



Stefan Tidow

Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz in der Senatsverwaltung für Umwelt