Tipps für den Garten
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Verfasst am 26.04.2017 um 16:37 Uhr

Die Weiße Fliege

Erkennen, bekämpfen und vorbeugen


Gemeine Gewächshaus- oder Weiße Fliege/Mottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum); Foto: gbohne, flickr, CC BY-SA 2.0

Oftmals geraten Gartenfreunde in Panik, wenn beim Berühren der Pflanzen plötzlich weiße Fliegen aufgeschreckt werden. Doch keine Sorge, eine wirksame Bekämpfung ist möglich.


Vielleicht noch etwas Interessantes vorweg. Auch wenn es der Name vielleicht vermuten lässt, gehört die Weiße Fliege nicht zu den Fliegen, sondern zu den Läusen, genauer gesagt zur Familie der Mottenschildläuse. Ihren Namen hat sie aufgrund ihrer Flugfähigkeit und den leuchtend weißen Wachsbelägen auf den Flügeln erhalten.


Biologie und Lebensweise

In unseren Breiten kommen zwei große Gattungen vor, zum einen die Gemeine Gewächshaus-Weiße Fliege/Mottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum) und die im Freiland auftretende Kohlmottenschildlaus (Aleurodes proletella). Die Entwicklungsdauer der Weißen Fliege ist stark schwankend und abhängig von der Umgebungstemperatur, so beträgt sie bei 30 °C lediglich ca. 18 Tage und bei 12 °C schon bis zu 120 Tage. Im Großen und Ganzen lässt sich allerdings sagen, dass die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Insekt ca. drei bis vier Wochen dauert. Das fertig ausgebildete Insekt ist gelb-grünlich, hat eine Körpergröße von etwa 2–3 mm und lebt etwa vier Wochen. Während dieser Zeit kann ein Weibchen bis zu 400 Eier legen, die nur ca. 0,2 mm groß sind.


Die Insekten halten sich vorzugsweise an den Blattunterseiten auf, wo sie die Pflanzen durch das Saugen des Pflanzensaftes schädigen. Infolgedessen scheiden sie Honigtau aus, was die Ansiedlung von Rußtaupilzen auf den Blättern fördert. Die Blätter werden fleckig, gelb, klebrig und fallen ab. Häufig befallen werden diverse Zier- und Nutzpflanzen, darunter Kohlgewächse, Tomaten, Paprika, Gurken, Melonen usw. Richtig wohl fühlt sich die Weiße Fliege übrigens nur, wenn ihr eine Temperatur von über 20 °C zur Verfügung steht, voll aktiv wird sie sogar erst ab 23 °C. Neben dieser Wärme benötigt sie zudem eine hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 70 %. Aus diesem Grund ist die Weiße Fliege in unseren Breitengraden daher auch nur in warmen und nassen Monaten im Freiland zu finden. Feuchte Sommer begünstigen also ihre Ausbreitung. In Gewächshäusern und in Innenbereichen ist sie hingegen ganzjährig und recht häufig anzutreffen.


Weiße Fliegen auf einer Blattunterseite; Foto: Scot Nelson, Flickr, CC BY 2.0

Bekämpfen und vorbeugen

Um einen Befall rechtzeitig zu erkennen, sollten Sie die Blätter einmal wöchentlich, am besten beim Gießen, kontrollieren. Entdecken Sie erste kleine Befallsnester, können Sie die betroffenen Stellen noch entfernen und vernichten. Ist bereits ein größerer Befall vorhanden, ist eine Bekämpfung der Weißen Fliege in geschlossenen Räumen mit Schlupfwespen, Raubfliegen, Raubwanzen, Erzwespen, Zehrwespen, Grabwespen, Marienkäfern und Kurzflüglern möglich.


Zur Bekämpfung der Larven eignen sich hauptsächlich systemisch wirkende Pflanzenschutzmittel. Hierbei verteilt sich der Wirkstoff im Inneren der Pflanze und die Tiere nehmen ihn über ihre Saugtätigkeit auf. Dies gilt aber nur für die ersten drei der vier Larvenstadien. Das letzte Larvenstadium ist praktisch mit keinem Pflanzenschutzmittel zu erfassen, da die Tiere dann keine Nahrung mehr aufnehmen. Für Kontaktmittel kommt erschwerend hinzu, dass sich die Tiere bevorzugt auf der Blattunterseite aufhalten.


Bedenken Sie bitte, dass Pflanzenschutzmittel nur das letzte Mittel der Wahl sein sollten. Dies gilt ganz besonders, wenn es sich um Gemüsepflanzen oder Obst handelt, denn mit dem Verzehr nimmt man auch eventuelle Rückstände auf. Daher ist Vorbeugung immer noch die beste Medizin, das gilt auch bei Pflanzen. Beispielsweise können Sie durch regelmäßiges und gründliches Stoßlüften eine weitere Ausbreitung verhindern, denn so wird die Temperatur kurzzeitig abgesenkt und zu hohe Luftfeuchtigkeit kann entweichen.



Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied Fachberatung, Landesgartenfachberater