Tipps für den Garten
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Verfasst am 15.05.2018 um 12:40 Uhr

Baumpilze

Baumpilze an Gehölzen sind ein Zeichen dafür, dass sie unheilbar krank sind und absterben werden. Die Pilze zersetzen das Holz langsam, aber stetig. Wird der Fruchtkörper entfernt, verhindert das zwar die Ausbreitung der Sporen auf andere Bäume, nicht aber den Verfallszustand des Baumes.



Grundlagen

Sollten sie Pilzkörper an Ihrem Obstbaum finden, dann sind hier Baumpilze am Werk. Sie bestehen aus ein- oder mehrzelligen Pilzfäden (Hyphen). Mit den Hyphen dringt der Pilz in das Holz ein und entzieht ihm Nährstoffe. Der Pilz benötigt diese Stoffe und findet sie in den gesunden Zellen des Baumes. Durch Enzyme ist der Pilz in der Lage, diese Stoffe aus den Zellen zu lösen.


Pilze dringen durch entstandene Wunden in den Baum ein. Dass ein Baum mit einem Pilz befallen ist, sieht man häufig erst, wenn der Pilz Fruchtkörper gebildet hat. Holzzerstörende Pilze verringern die Festigkeit des Holzes und gefährden somit die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes. Der Prozess der Holzzersetzung bis zum Absterben des Baumes kann mehrere Jahre dauern - dies ist abhängig von der Baum- und der Pilzart. Vermeiden Sie daher Wunden am Baum oder im Wurzelbereich! Baumpilze können auf drei unterschiedliche Arten das Holz ihrer Wirtspflanze zersetzen:


Braunfäule im Querschnitt eines Baumstamms; 

Foto: Mätes, wikipedia, CC BY-SA 3.0

1. Braun- und Weißfäule

Holzzerstörende Baumpilze können Weißfäule und Braunfäule an unseren Bäume verursachen. Bei der Weißfäule ist häufigster Verursacher der Hallimasch, aber auch der Austernseitling. Bei der Weißfäule wird Lignin zersetzt. Das Holz wird heller, ist faserig und weich. Das Holzvolumen nimmt durch Quellung zu. Bei der Braunfäule ist der häufigste Verursacher der Schwefelporling und der Rotrandige Baumschwamm. Bei der Braunfäule wird Zellulose zersetzt, nicht das Lignin. Das Holz wird braun und zerbricht würfelartig, bis es zu braunem Staub zerfällt.


2. Moderfäule

Die Moderfäule verläuft ähnlich wie die Braunfäule, zersetzt aber auch sehr nasses Holz. Bei holzzersetzenden Pilzen an Ihrem Baum sollten Sie unbedingt den Fachmann hinzuziehen. Durch Entfernen der Fruchtkörper helfen Sie Ihrem Baum nicht.

Der Hallimasch kann Obst-, Laub- und Nadelgehölze sowie Baumstümpfe befallen. 

3. Hallimasch

Als ein wichtiger Vertreter der Baumpilze gilt der Hallimasch (Armillaria sp.) oder Honigpilz: Dieser holzzerstörende Pilz mit dem lateinischen Namen Armillaria mellea bildet einen Organismus aus einzelnen Pilzfäden (Hyphen), welcher in seiner Gesamtheit als Myzel im Boden lebt. Der Pilz lebt auf Stubben und abgestorbenem Holz sowie auf lebenden Gehölzen, die geschwächt oder stressgeplagt sind, so zum Beispiel bei Nährstoffmangel, Trockenheit, Krankheiten ... .


Der Pilz befällt Obst-, Laub- und Nadelgehölze sowie alte Baumstümpfe, bei denen organische Masse abgebaut werden kann. Sichtbar wird der Befall durch nachlassendes Wachstum und anschließendes Absterben einzelner Astpartien. Auch ein Harzen von Nadelbäumen im unteren Stamm- und Wurzelbereich sowie Braun- bis Braunrotfärbung der Nadeln ist ein Indiz für Hallimasch. Hat man erste Anzeichen des Befalls festgestellt, sollte man die Rinde dahingehend prüfen, ob sie sich löst und darunter ein weißes Pilzgeflecht zu finden ist. Bei Sichtbarwerden der Fruchtkörper im Herbst ist dies die letzte Bestätigung für den Pilz. Der Fruchtkörper ist ca. 10 bis 20 cm hoch, mit beringtem Stiel und einer oliv-gelb bis braunen Farbe. Die Sporen des Pilzes sind weißlich gefärbt.


Für uns ist der Pilz nach seiner Zubereitung ein wohlschmeckender Speisepilz, im rohen Zustand aber giftig. Eine Pilz-Infektion kann durch Sporen, Wurzelkontakt und durch schwarze wurzelartige Stränge (Rhizomorphen) hervorgerufen werden. Der pilzliche Erreger nutzt oft Verletzungen der Pflanze als Eintrittspforte, welches zu einer Infektion führen kann. Sollte der Pilz im Wurzelbereich eindringen, breitet er sich über den Wurzelhals stammaufwärts in der Rinde und im Kambium aus und verursacht Schädigungen der Pflanze.


Eine direkte Bekämpfung des Hallimasch ist nicht möglich. Befallende Gehölze inkl. Grobwurzeln sollten aus dem Garten entfernt werden, damit es zu keiner Neuinfektion kommt. Da der Pilz auch als Saprophyt, von totem organischem Material lebende Pflanze, auf abgestorbenem Holz wächst und dieses zersetzt, sollte es als neue Infektionsquelle beseitigt werden. An diesem Standort sollte man dann möglichst keine neuen Gehölze pflanzen - oder aber zuvor großzügig neue Erde einbringen.




Sven Wachtmann

Landesgartenfachberater und Vorstandsmitglied Fachberatung