Tipps für den Garten
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Verfasst am 21.08.2018 um 14:42 Uhr

Naturnahes Gärtnern – Pflanzenschutz ohne Chemie

Grundlagen zum naturnahen Garten   

Naturnahes Gärtnern heißt, mit der Natur zusammenzuarbeiten, Erfahrungen aus der Natur zu sammeln und in der eigenen Oase umzusetzen. Jeder Kleingärtner und naturbegeisterter Mensch kann selbst in seinem Garten diese Erfahrungen umsetzen und mit seinen Nachbarn und Bekannten austauschen. Auch in den Schulungen der Gartenverbände kann man Erkenntnisse aus der Wissenschaft und von praxiserprobten Kleingärtnern erhalten. Die Natur zeigt uns vieles, man muss es nur verstehen und deuten können. -- So können wir nachhaltig handeln!

Vielfach werden verwilderte oder verwahrloste Gärten als naturnahe Gärten betrachtet, was aber ein Irrglaube ist und gerne behauptet wird, um nicht einräumen zu müssen, „dass man wenig Zeit für seinen Garten hat“. Da diese Tatsache für die Vorstände nicht immer erkennbar ist, wird in einem solchen Fall gerne die Hilfe der Fachberater hinzugezogen.


Was ist ein naturnaher Garten?

Einige Aspekte des naturnahen Gärtnerns wären der artgerechte Anbau von Pflanzen, der überlegt ausgewählte Standort für Pflanzungen, der sinnvolle Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (wenn überhaupt notwendig), die Bodenverbesserung durch Kompostierung oder Gründüngung, eine ausschließlich bedarfsgerechte Düngung der Pflanzen, der sparsame und gezielte Verbrauch des kostbaren Wassers, die Förderung von Nützlingen und vieles weitere mehr. Im Bereich des Pflanzenschutzes sollte der integrierte Pflanzenschutz an erster Stelle stehen.

Es sollte allen ein wichtiges Anliegen sein, unsere Umwelt zu erhalten und zu pflegen. Oft werden wir an kleine und große Vergehen an der Natur erinnert. Daher sollten wir auch besonders als Kleingärtner jede Gelegenheit nutzen, um einen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung unseres Gartens zu bewirken.


Große Pflanzenvielfalt gleich Insektenvielfalt

Wenn die Pflanzenvielfalt in den Gärten sehr hoch ist, ist auch mit einer großen Artenvielfalt von Insekten und anderen Tierarten zu rechnen. Im Garten sollten Wild- wie auch Zierpflanzen zu finden sein, denn viele Tiere benötigen Wildpflanzen als Nahrungsquelle. Die meisten Wildkrautarten sind einjährig und benötigen zu ihrer Entwicklung jährlich einen bearbeiteten Boden. Einige Wildkräuter sind mittlerweile als Kulturpflanzen in unseren Gärten wieder angekommen, wie z.B. Echte Kamille, Feld-Stiefmütterchen oder Große Brennnessel. Viele dieser Wildpflanzen eignen sich auch zur biologischen Schädlingsbekämpfung und zur Pflanzenstärkung und sind für unsere heimischen Insekten als Angebot an Blüten mit Nektar und Pollen wichtig. Zudem eignen sich viele Wildkräuter für uns Menschen in Form von Salaten oder Tees.

Eine Wiese ist eine ausdauernde Pflanzengemeinschaft, in der Blumen, Gräser und Kräuter ihren Lebenszyklus bis zur Samenreife durchlaufen und so eine artenreiche Pflanzenwelt bieten. Auch das Anlegen von Steingärten, Sand- Kies-, oder Steinhaufen fördert die Artenvielfalt im Garten. Pflanzen benötigen zum Leben einen viel geringeren Lebensraum als Tiere, dies muss man bei der Ansiedelung von Tierarten bedenken. Ein einzelner Garten ist immer nur ein Teil des Lebensraums, während größere Kleingartenanlagen durchaus ein Gesamtlebensraum für eine oder mehrere Arten sein können.


Kreislaufwirtschaft

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des naturnahen Gärtnerns ist die Kreislaufwirtschaft. Alles organische Material, ausgenommen kranke Pflanzenteile, sollten im Garten verbleiben und wieder neu aufgearbeitet werden. Ein Komposthaufen ist das beste Beispiel dafür und dient gleichzeitig vielen nützlichen Tieren als hervorragender Lebensraum.

Bei der Erhaltung der Umwelt ergeben die Arbeiten im Garten und die daraus erworbenen Erkenntnisse wirkungsvolle Effekte für das eigene Leben und die Gesundheit. Auch jedem Kleingärtner ist es mit einfachen Mitteln möglich, aktiv zum Artenschutz beizutragen. Man kann zum Beispiel durch das Anlegen kleiner Gartenbiotope, Wildpflanzenwiesen und Feuchtgebiete zusätzliche Lebensräume für Flora und Fauna schaffen.

Es ist immer wieder wichtig, daran zu erinnern, welch unverzichtbares Gut mit den Gärten in unseren Händen liegt. Dieses Gut wollen und sollten wir durch naturnahes Gärtnern verteidigen und vergrößern, in jedem einzelnen Kleingarten.


Stimmen der Gartenfachberater aus den Berliner Bezirken zum

naturnahen Gärtnern

"Ein naturnaher Kleingarten ist ein vielfältiger Lebensraum mit einem günstigen Umfeld für Flora und Fauna." BV Süden

"Ein naturnaher Garten ist ein Garten, in dem der Versuch unternommen wird, unter Einhaltung der Notwendigkeiten der Natur einen möglichst großen Raum zur Entfaltung zu belassen." BV Steglitz

"Auch, wenn die kleingärtnerische Nutzung eingehalten werden muss, lässt sich ein naturnaher Garten gestalten." BV Schöneberg/Friedenau

"Grundlage ist der Begriff Integrierter Pflanzenschutz, ergänzt durch maximale Nutzung dessen, was die Natur uns bietet, was uns Kleingärtner von der Landwirtschaft bzw. dem Erwerbsgartenbau unterscheidet." BV Köpenick

"Die Menschen dürfen nicht nach Äußerlichkeiten gehen, sondern nach Sinn und Nutzen." BV Zehlendorf

"Ein naturnaher Kleingarten muss in erster Linie dem Bundeskleingartengesetz entsprechen. Über seine Gestaltung aber soll der Kleingärtner entscheiden können." BV Weißensee


Konkrete Maßnahmen für einen naturnahen Garten


1. Pflanzenauswahl

- eine größere Artenvielfalt in den Garten bringen

- bevorzugt einheimische Pflanzen und robuste Arten auswählen

- Pflanzen für Bienen und andere Insekten als Nektarpflanzen/Nahrungspflanzen wählen

- Schaffung von Blumenwiesen statt Rasen

- Wild- und Heilkräuter in die Gärten bringen

- Mischkulturen fördern

- optimalen Standort für jede Kultur auswählen

- richtigen Pflanzabstand für jede Kultur auswählen


2. Pflanzenernährung

- Einbringen von Humus/Kompost

- Kompostwirtschaft betreiben

- Flächenkompostierung betreiben

- Gründüngung als Herbstbegrünung für die Gemüsefläche anlegen

- organische Dünger bevorzugen

- Pflanzenstärkungsmittel zur Gesunderhaltung der Pflanzen anwenden

- angepasste und gezielte Düngung


3. Unterkünfte für Tiere

- Herstellen eines natürlichen Gleichgewichts

- Nisthilfen für Wildbienen und andere Insekten anbieten (z. B. Insektenhotel)

- Nistkästen für Vögel anbieten

- Vogeltränke, Wasserstelle für Vögel und Insekten anbieten

- Igelschutz

- Lehmhügel für Erdbienen schaffen

- Erdhummelkasten

- Unterschlupf und Lebensraum für Tiere schaffen, z. B. Steinhaufen, Reisighaufen, Benjeshecke, Totholzhaufen, Biotope, Sandflächen für Reptilen anbieten


4. Pflanzenschutz

- integrierten Pflanzenschutz betreiben

- natürliche Wirkstoffe von Pflanzenschutzmittel auswählen

- Nützlingseinsatz im Gewächshaus und im Boden

- Einsatz mechanisch-technischer Maßnahmen (z. B. Vliese, Kulturschutznetze, Folien)

Der vorbeugende Pflanzenschutz steht im ökologischen Garten im Vordergrund. Dazu zählen unter anderem die Förderung der Pflanzengesundheit, die Stärkung natürlicher Abwehrkräfte und die Unterstützung der Regulationsmechanismen im Ökosystem – zum Beispiel durch die Förderung von Nützlingen.


5. Bodenpflege

- geringe Versieglung des Bodens betreiben

- richtige Mulchung bevorzugen

- sorgfältige und schonende Bodenbearbeitung betreiben

- auf Umgraben des Bodens möglichst verzichten

- ganzjährige Bodenbedeckung betreiben

- Bodenleben schützen und fördern

- Bodenfruchtbarkeit erhalten und steigern

- Bodenuntersuchung in regelmäßigen Abständen durchführen

- Einbringung von organischer Substanz

- Arbeiten mit Gründüngungspflanzen (z. B. Phacelia, Senf)


6. Gartengestaltung/Gartenpflege

- keine Wildnis hinterlassen

- schnell verrottbares Laub nicht beseitigen, sondern auf Beetflächen verteilen

- Hecken als Nisthilfen und Nahrungsquelle für Insekten schaffen

- Winterquartier für Nutzinsekten bereitstellen

- Anlegen von Trockenmauern, Steinmauern, Hochbeeten, Hügelbeeten ...

- Fruchtstände im Winter an den Pflanzen belassen

- Anlegen von wasserdurchlässigen Wegen

- Vielfalt der Flächennutzung

- Wahl des geeigneten Saat- und Pflanztermins


7. Rechtliches

- Einhaltung des Bundeskleingartengesetzes im naturnahen Garten


8. Wasser

- Gartenteich ohne Fische, damit Insektenlarven überleben können

- Schaffung von Feuchtbiotopen

- Regenwassernutzung

- gezielte und optimale Wasserversorgung im Garten


9. Fortbildung/Schulungen

- Schulungen zum naturnahen Gärtnern anbieten


10. Naturschutzgedanke

- biologische Vielfalt fördern

- Naturkreislauf beachten


Chemiefreier Garten

Den Kleingarten auf natürliche Art und Weise zu bewirtschaften, heißt neben der Auswahl von gesundem Saatgut, robusten Pflanzen, dem richtigen Standort und einer sinnvollen Fruchtfolge im Obst- und Gemüseanbau auch, auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern garantiert nahezu rückstandsfreie Ernteerzeugnisse.

Integrierter Pflanzenschutz ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit einer Kombination verschiedener natürlicher Verfahren kann erreicht werden, die Chemie auf der Parzelle außen vor zu lassen. Etwas mühsam, dafür aber immer noch sehr wirksam ist das Absammeln von Schädlingen auf befallenen Pflanzen. Als biologisches Mittel im Bereich der Bekämpfung von Raupen an Gemüse-, Obst- und Zierpflanzen hat sich Raupenfrei „Xentari“ mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis subspec. Dizawai bewährt. Es handelt sich hierbei um nützliche Mikroorganismen. Daneben kann auf Neem-Produkte ohne den zusätzlichen Wirkstoff Rapsöl zurückgegriffen werden. Vor allem die Extrakte aus den Kernen und Blättern des indischen Neembaums haben sich inzwischen gegen mehr als 200 Arten von Insekten und Milben als wirksam erwiesen.

Auch das Arbeiten mit biotechnischen Varianten im Obstbau ist sehr effektiv. Hier ist die Anwendung von Obstmaden-Fanggürteln von Juni bis September zu nennen, die den Madenbefall bei Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Zwetschen verringern. Möglich ist auch die Anwendung von Leimringen gegen den Frostspanner im Obstbau. Dagegen ist die Verwendung von Pheromonfallen an Obstgehölzen nur sinnvoll, wenn viele Gartenfreunde in einer Kleingartenanlage hiermit arbeiten.

Der Einsatz von Nützlingen im Garten ist leider nur in einem geringen Maß möglich, weil wir hier im Gegensatz zum Gewächshaus ein offenes System vorfinden. Unter freiem Himmel helfen Nematoden, die allerdings erst bei einer Bodentemperatur von mindestens zwölf Grad Celsius und ausreichender Bodenfeuchte ausgebracht werden können, gegen den Dickmaulrüssler an Zierpflanzen sowie gegen Engerlinge im Rasen. Im Gewächshaus gehen Raubmilben gegen Spinnmilben vor.

Auch Insekten, Spinnen, Vögel oder Kleinstsäuger sind für den Gärtner tüchtige Helferlein beim Kampf gegen Schädlinge. Wichtig ist, möglichst viele Lebensräume, Rückzugsgebiete und Überwinterungsmöglichkeiten für sie auf der Parzelle zu schaffen. Kleinbiotope und Nistplätze sind hier ebenso gefragt wie geeignete Nahrungsquellen für die natürlichen Gartenwächter.

Durch Sommerschnittarbeiten etwa an der Süßkirsche wird der Baum nicht nur ausgelichtet, sondern gleichzeitig werden auch die Jungtriebe reduziert, die mit schwarzen Blattläusen übersät sein können. Bei den winterlichen Schnittarbeiten an Obstgehölzen kann der Mehltau-Pilz mit vernichtet werden. Um pilzlichen Erkrankungen keinen Vorschub zu leisten, sollten den Pflanzen optimale Bedingungen geschaffen werden. Zu diesen zählt, Pflanzen gegen zu lange Feuchtigkeit auf den Blättern zu schützen. Als Beispiel ist hier die Kraut- und Braunfäule an Tomaten zu nennen. Schutz bietet da beispielsweise ein Tomatenhaus. Der Einsatz von Pflanzenschutznetzen gegen die Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege ist eine vorbeugende Maßnahme, um diese Schadinsekten vom Beet fernzuhalten. Die Netze sind wieder verwendbar. Es muss jedoch auf die Lochgröße und die Befestigung auf dem Beet geachtet werden.

Eine gärtnerische Methode, um gegen Bodenmüdigkeit und Nematoden vorzubeugen, ist die Veredlung von Gemüse, genauer gesagt von Tomaten und Gurken.


Gestaltungsmöglichkeiten

Gärten erfreuen durch Düfte, Formen und Farben – ihre Gestaltung sollte so unterschiedlich und individuell wie ihre Besitzer sein. Langweilig, beliebig und austauschbar sind solche, in denen kurz geschorener Rasen und immergrüne exotische Gehölze dominieren – was aus Sicht der heimischen Tier- und Pflanzenwelt einer ökologischen Wüste gleicht. Naturnah gestaltete Gärten dagegen stellen geradezu ein Paradies für die heimische Flora und Fauna dar. Deutschlandweit wurden hier rund 2500 Tierarten nachgewiesen, darunter allein 650 Schmetterlings- und 100 Vogelarten.

Für den naturnahen Garten gelten keine strengen Gestaltungsformalien. Wichtig ist, mit der Natur und den ihr eigenen Gesetzen und nicht gegen sie zu gärtnern. Keineswegs ist mit „naturnah“ gemeint, alles wild durcheinander wuchern zu lassen. Der Natur wird zwar Raum zur Entwicklung gegeben, ohne dass der Gärtner aber auf lenkende Eingriffe verzichtet. Pflegemaßnahmen richten sich stets nach dem individuellen Charakter des Gartens und seiner natürlichen Umgebung. Ein naturnaher Garten ist also kein Zeichen für Müßiggang seines Besitzers, sondern sichtbarer Beweis seines ausgeprägten Umweltbewusstseins.

Im naturnah gestalteten Garten finden überwiegend heimische, standortgerechte Pflanzen ein Zuhause. Letzteres ist besonders wichtig, denn wachsen Pflanzen am falschen Platz, sind sie anfälliger gegen Krankheiten und Parasiten, was für heimische Gewächse und Exoten gleichermaßen gilt.


Intakte Symbiose

Im Laufe der Entwicklungsgeschichte bildeten Pflanzen und Tiere Lebensgemeinschaften. Insbesondere Insekten sind auf bestimmte Nahrungspflanzen spezialisiert, ohne die sie nicht existieren können; die Pflanzen ihrerseits bedürfen wiederum der Insekten bei der Befruchtung. Sie entwickelten Strategien, mit dem Fraßdruck bestmöglich fertig zu werden. Mit einer einzigen heimischen Pflanzenart, die aus unseren Gärten verloren geht, wird auch einer Reihe von Tieren ihre Existenzgrundlage entzogen. Allein an und von der bei Gärtnern als hartnäckiges „Unkraut“ gefürchteten Quecke leben knapp 80 Tierarten.

Andererseits können sich gebietsfremde Pflanzen, aber auch Zuchtformen heimischer Gewächse vielfach nicht in hiesige Lebensgemeinschaften einfügen und bieten heimischen Tieren nur bedingt oder überhaupt keine Nahrung. Ein Beispiel hierfür ist der aus Asien stammende Sommerflieder, der zwar für Falter eine sehr begehrte Nektarquelle, als Raupenfutterpflanze jedoch völlig wertlos ist. Lebensnotwendige Nahrungspflanze für die Raupen des Kleinen Fuchses und weiterer Arten wie Tagpfauenauge und Admiral ist hingegen die Brennnessel. Ohne Brennnesseln also keine Falter, und ohne Brennnesseln auch keine Vögel, die von den Raupen leben. Dies soll jedoch nicht bedeuten, den Garten unkontrolliert mit Wildkra╠łutern überwuchern zu lassen, sondern Wildkräuter in einigen Ecken zu dulden.

Ziel einer naturnahen Gartengestaltung ist die Förderung einer möglichst hohen Artenvielfalt. Je größer sie ist, desto geringer die Gefahr, dass sich bestimmte Arten, die wir Menschen als lästig oder gar schädlich erachten, massenhaft vermehren. In einem naturnahen Garten sind immer auch genügend natürliche Gegenspieler vorhanden, die unerwünschte Tiere dezimieren, so dass getrost auf chemische Gegenmaßnahmen verzichtet werden kann. Marienkäfer und Florfliegenlarven beispielsweise haben einen Riesenappetit auf Blattläuse, Vögel und Schlupfwespen halten gefräßige Raupen in Schach, und Igel und Kröten tun sich an Schnecken gütlich.


Gleichgewicht wahren

In der Regel bietet aber ein möglichst großer Strukturreichtum und die überwiegende Verwendung heimischer Pflanzen im Garten die beste Gewähr für eine hohe Artenvielfalt und damit für ein ökologisches Gleichgewicht.

Nach dem Vorbild der Natur lassen sich Ausschnitte aus verschiedenen Lebensräumen wie Hecke, Teich und Wiese gezielt gestalten. Vor allem in kleineren Gärten kann es jedoch selbstverständlich nicht darum gehen, ein möglichst vollständiges Sortiment verschiedener Biotope zu erschaffen. Aber schon die Anlage beziehungsweise Duldung von Kleinstrukturen wie morsche Baumstubben, Stein- und Reisighaufen oder ungemähte Randstreifen kann erstaunlich viel bewirken. Sie sind Lebensraum und Unterschlupf für eine Vielzahl von Tieren, unter ihnen Rotkehlchen und Zaunkönig, Igel und Wiesel, Lurche und Eidechsen sowie eine Vielzahl von Insekten. Besonders schön macht sich ein Totholzhaufen aus gröberen Aststu╠łcken, in deren Hohlräume Laub eingebracht wird. Auch Laub sollte unter Gehölzen unbedingt liegen bleiben, schützt es doch den Boden vor Austrocknung, führt ihm Nährstoffe zu und beherbergt viele Kleintiere. Dazu ist es unumgänglich, sich von überzogenen Ordnungsvorstellungen zu lösen. Der Garten ist kein Wohnzimmer, das bis in den letzten Winkel aufgeräumt sein muss. Die Natur hat ihre eigene Ordnung und diese zu durchschauen und zu respektieren, ist das eigentliche Geheimnis der naturnahen Gartengestaltung.


Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied Fachberatung


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